Neuntes Kapitel.
Neue Hetzereien gegen die Juden. Capistrano.
Papst Eugcnius' IV. Gcsinnungsänderung gegen die Juden. Trübe Folgen derBulle in Spanien. Juan II. enlgcgenwirkendes Dekret zu Gunsten derJuden. Nikolaus' V. feindselige Bulle. Feindseligkeit eines baierischcnHerzogs gegen die Juden. Der Philosoph Nikolaus Cusanus im Ver-hältnitz zu den Juden. Die Marrancn und das erste Vorspiel zur In-quisition. Der Franciscancrmönch Capistrano und sein Wüthen gegen dieJuden. Die Wirkungen in Baicrn. Ausweisung aus Würzburg. DieBreslauer Gemeinde; Hosticnschändung und Blutanklage gegen sic. Ver-treibung und Scheiterhaufen für die Juden Breslaus und anderer schle-sischen Städte. Vertreibung der Juden aus Brünn und Olmütz; dieJuden in Polen und ihre günstige Stellung unter Kasimir IV. Die er-neuten Privilegien. Capistrano's Geifer dagegen, erlangt den Widerrufderselben. Anfang der Leiden der Juden in Polen. Die Türkei, neuesAsyl für die Juden. Untergang des byzantinischen Reichs. GünstigeStellung der Juden in der Türkei. Mose Kapsali, Großrabbincr, Sitzim Divan. Die Karäer in der Türkei. Die deutsche rabbinische Schule.Jacob Weil und Israel Jsscrlcin. Die Synode von Bingen und diedrohende Spaltung. Wahrung der Rabbinatswürdc gegen Entsittlichung.
(1444—1456.)
Es war damals nicht schwer, Unglück über die Juden zuprophezeihen. Denn abermals regte sich der finstere kirchliche Geist,der mit düsterem Flügelschlag über die europäischen Länder unheils-schwanger flog. Wie zur Zeit Jnnocenz III., so dekretirte auch indieser Zeit die Kirche durch ihre vollwichtigsten Vertreter, durch dieVäter der Kirchenversammlung zu Basel, welche sich Unfehlbarkeit zu-schrieben und über das Papstthum selbst zu Gerichte saßen, die Er-niedrigung und Aechtung der Juden auf die allerfeierlichste Weise.Wunderbar genug! Das Concil konnte im eigenen Hause nicht fertigwerden, war nicht im Stande, die den Katholicismus verhöhnendenHussiten in den Schoos; der Kirche zurückzuführen, verzweifelte daran,die Liederlichkeit und Lasterhaftigkeit der Geistlichen und Mönche ab-stellen zu können, und warf doch sein Auge auf die Juden, um siezum Heile zu führen. Räudige Schafe, wollten sie unbeschädigteLämmer heilen! Die Baseler Kirchenversammlung, welche dreizehnJahre tagte (Juni 1431 bis Mai 1443) und die großen europäischenFragen vor ihren Nichterstuhl zog, beschäftigte sich auch mit derJudenfrage. Damit der christliche Glaube befestigt werde, müßten die