Disputation von Tortosa.
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aber und erklärte: er verlange nur eine übliche Förmlichkeit vonihnen i). Ueberhaupt behandelte er sie Anfangs mit vieler Milde undSüßlichkeit, wie es den Kirchenfürsten eigen ist, wenn sie einen Zweckerreichen wollen. Er beruhigte sie, daß ihnen nichts zu Leide ge-schehen sollte. Er habe sie lediglich berufen, um sich selbst zu über-zeugen, ob Geronimo's Behauptung: der Talmud bezeuge Jesu
Messianität, eine Wahrheit oder ein Possenspiel sei. Er sicherte ihnenvollständige Redefreiheit zu. Nach der ersten Audienz entließ sie derPapst gnädig, wies einem jeden der Notabeln Wohnung an und ließüberhaupt für ihre Bequemlichkeit sorgen. Einige unter ihnenprophezeiten von diesem freundlichen Empfang einen guten Ausgangfür sich und die Sache ihrer Religion; sie kannten Rom und dieStellvertreter Gottes sehr wenig.
Tags darauf sollte die Disputation beginnen. Als die jüdischenNotabeln in den Sitzungssaal traten, machte die Versammlung einenüberwältigenden Eindruck auf sie. Der Papst Benedictus auf einemerhöhten Throne in seinem Prachtornate; um ihn etwa siebzigKardinäle und hohe Kirchenfürsten in ihrem auf Augenblcndungberechneten Schmuck, Mönche und Ritter, fast tausend Zuhörer ausden hohen Ständen. Der Muth entfiel dem Häuflein Vertheidigerdes Judenthums gegenüber dieser siegesgewissen Machtentfaltung desChristenthums. Der Papst selbst leitete die Verhandlung und er-öffnte die Sitzung mit einer Anrede an sie, worin er hervorhob: essolle nicht um die Wahrheit des Judenthums oder Christenthumsverhandelt werden. Denn der christliche Glaube sei über jeden Streiterhaben und unanfechtbar; das Judenthum sei einst wahr gewesen,aber von der späteren Offenbarung aufgehoben worden. Die Dis-putation sollte sich daher lediglich um den Punkt drehen, ob derTalmud Jesus wirklich als Messias anerkenne. Die Juden warendemnach auf die schmale Linie der Verteidigung beschränkt. Alsder Papst seinem Werkzeuge Geronimo das Wort abtrat, hielt dieser,nach vorangegangenem Fußkusse, eine weitschweifige, von christlichen,jüdischen und noch dazu scholastischen Spitzfindigkeiten strotzende Rede"),um das Thema auseinanderzusetzen, und hob die Hochherzigkeit undGnädigkeit des Papstes hervor, vermöge deren er die Juden zurSeligkeit bringen wollte. Er bediente sich dabei als Text eines
jesaianischen Verses, mit Anwendung auf die Juden: „Wenn ihr
Bonastrüc's Sendschreiben nach Gcrona in Lvbsdet Isünäa No. 40.
°) Die lange Rede ist mitgetheilt in Rodrigucz de Castro's Bibliothcca I