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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Geschichte der Juden.

buhlerschaft von Seiten eines gewandten oder ihm überlegenen Stamm-genossen beseitigen? Als Schriftsteller zeigte sich Paulus de SantaMaria eben so giftig gegen Judenthum und Juden. Während dergeborene Christ, der Franciscaner Nicolaus de Lyra, jüdische Schrift-ausleger und selbst Naschi als Muster einfacher Exegese empfahl H,verurtheilte der ehemalige Rabbiner Alles, was je ein rabbinischerSchriftsteller bemerkt hatte, als abgeschmackt, widersinnig und lästerlich,dagegen jede noch so lächerliche Auslegung eines Kirchenschriftstellerssei erhaben und unübertrefflich").

Einsichtsvolle Juden erblickten mit Recht in diesem Neuchristenihren erbittertsten Feind und rüsteten sich zu einem Kampfe mit ihm.Freilich waren sie in der Wahl der Waffen äußerst beschränkt. DieVertreter des Christenthums hatten nicht blos das freie Wort, sondernauch die Faust, den Kerker, den Todesknebel zur Behauptung ihrerDogmen und ihrer Beweisführung, während die Juden sich drehenund winden mußten, um nicht mit einem kräftigen Worte anzustoßenund Gewaltmittel gegen sich in Bewegung zu setzen. Darum solltedas muthige Entgegentreten einer Handvoll Schwacher gegen die er-drückende Zahl Uebermächtiger und Uebermüthigcr die Bewunderungaller Derer erregen, welche ihren Beifall nicht der siegenden Gewalt,sondern dem ringenden Rechte schenken.

Das Vortrcffen gegen die Gehässigkeiten des Paulus de SantaMaria eröffnete ein junger Mann, der früher zu dessen Füßen gesessenhatte, Josua b. Joseph Jbn-Vives (Lorqui^), ein Arzt undKenner des Arabischen. In einem demüthig gehaltenen Sendschreiben,wie von einem gelehrigen Schüler an einen bewunderten Meister,versetzte Josua Lorqui seinem abtrünnigen Lehrer empfindliche Sticheund unter den: Scheine des Zweifels erschütterte er die Grundfestedes Christenthums. Er bemerkte im Eingänge, daß ihm der Uebertrittseines geliebten Lehrers, an den sich sein gläubiges Gemüth früherangelehnt hat, ihn noch mehr als Andere in Erstaunen gesetzt undzum Nachdenken gebracht habe. Er könne sich nur vier Beweggründefür einen so überraschenden Schritt denken. Entweder Paulus habesich zur Bekehrung bewogen gefühlt aus Ehrgeiz und Sucht nach

-) Vergl. Bd. VIL. Note 13. III.

ch Die ^ciclilionss des Paulus de Santa Maria poslillum Xienlniäs IH-ra super Ilidlias (öfter edirt) haben keinen anderen Zweck, als die vonNikolaus empfohlene einfache Exegese jüdischer Commentatoren zu discreditircn.

°) Das Sendschreiben des Lorqui an Paulus ist abgedruckt in demSammelwerke vibrs Ollaelmmim von Elicser Aschkcnasi Tunensis p. 31 ff.Vergl. Note 3.