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Geschichte der Juden.
trennen und auch ihre angestammte Religion nicht verleugnen mochten,beobachteten die jüdischen Riten noch immer, wenn sie auch zum ScheineChristen waren. Die Könige von Castilien, Aragonien und Mallorea,welche den Taufzwang durch die Pöbelmassen mißbilligt hatten, ließensie gewähren. Die Behörden sahen deren Rückfall zum Judenthume nichtoder mochten ihn nicht sehen ft. Die Inquisition hatte damals noch keineGewalt über sie, sie existierte noch nicht in Spanien. Aus diesen inSpanien gebliebenen Zwangstäuflingen bildete sich eine eigene Klasse,äußerlich Christen, innerlich Juden; man könnte sie Juden-Christennennen. Non der christlichen Bevölkerung wurden sie aber mit miß-
trauischem Auge betrachtet und als Neuchristen mit dem SpitznamenMarranos-) oder die Verdammten fast mit noch glühenderemHasse als die treugebliebenen Juden umlauert, nicht etwa wegen ihrerheimlichen Liebe zum Judenthume, sondern wegen ihrer Abstammung,ihrer eifrigen Rührigkeit und Anstelligkeit. Diese Abneigung empfandenauch jene getauften Juden, welche gerne das Judenthum von sichabgestreift und nichts davon beibehalten hatten. Es waren weltlich
ft Simon b. Zcmach Duran lisspp. (;-:e-o) I. Xo. 46.
ft Das Wort Nsrranos ist bisher noch nicht glücklich erklärt worden. Eswurde zwar richtig von Nsrsu stlls abgeleitet; aber da dieses im neuenTestamente vorkommende Wort verkannt wurde, so traf das Derivat dasselbeMißverständniß. Portugiesische Historiker geben an: das Wort Narr an okommt von Nsranstlls, d. h. „der Herr kommt", und man bezeichnet damitsolche, welche die Ankunft des Messias leugnen. Es sei ein Schimpfname fürdie Bekenner des Judcnthums geworden. Aehnlich Llorcnte (lilstoirs äsl'inquisition sn HspsAns I. x. 142): I7ss .luit's ss servslsnt sntrs enx(oomrns siAns äs malöäistion) äs 1'exprsssiou bsbrs'r'qns ,Nsrrsnos"äsrivss psr sorruption äss rnots Nsrau-atbs ,1s LsiAnsnr visnt/. OstnssAS Int ssuss qns Iss snoisns Ollrstisns sppslsront psr rnsxn'is esttsolssss äs nonvssux üäslss 1a. gsnsrstion äss Nsrrsuos, ou 1a rasemanälts. Es ist richtig, daß Marranos bedeutet „die Verwünschten", abernicht weil es von der Phrase „Der Herr kommt" abgeleitet ist. Das WortNsrsn stlls oder Nsrsvstlrs kommt im I. Korinthcrbricf zu Ende (16, 22)vor. Dort heißt cs: Wenn Jemand Christus nicht liebt, der sei Anathemaund Maranatha. Lr rrx on yn7.kr . . . Tiiooöi- Uraröv, h'rw «vcktlLsta:,ftc-pm'L-lkck. Gedankenlos gicbt die syrische Ucbcrsetzung das betreffende Wortdurch: so» „der Herr kommt" wieder. Welchen Sinn soll nun jenerVers haben? Entschieden ist das Wort Nsrsnstlls das neuhebräische Wortns Lim- oder in chaldäischer Form nnonr, „Du bist gebannt", entsprechend demWorte: Anathema. Daraus ist im Griechischen die Corruption Maranathastatt Maramt oder Maramta entstanden. In Spanien und Portugal bildeteman daraus des Wort Narrs.no, welches „gebannt, verflucht, verwünscht" be-deutet. In der Voraussetzung, daß die Ncuchristen Jesus nicht liebten, wandteman auf dieselben das Naranatbs an. Man muß daher Marranos ortho-graphircn und nicht, wie Einige haben, Nsranos.