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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
Entstehung
Seite
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Geschichte der Juden.

Testament in lateinischer Sprache gelesen. Ein deutscher Rabbiner,

der dieses Alles und noch dazu lateinisch, wenn auch dürftig, ver-stand, war allerdings ein seltener Vogel in jener Zeit. Freilichmußte sich Lipmann Mühlhausen vor der öffentlichen Meinung desjüdischen Kreises entschuldigen ^), daß er die gebahnte Straße verlassenund einen Weg eingeschlagen hat, der weit ab vom Talmud lag. Erstellte sich die schwere Aufgabe, das rabbinische Judenthum gegen alleAngriffe von philosophischer, ketzerischer (karäischer) und christlicher

Seite zu rechtfertigen, und verfaßte zu diesem Zwecke eine kleine, aberinhaltsreiche Schrift (kiirraollon, Sieg), worin er die vielfachenEinwürfe widerlegte. Allein seine Schultern waren zu schwach, soSchweres zu tragen; er erlag der Last. Das Beste, was er hervor-gebracht, sind noch seine Angriffe auf das Christcnthum. Gelehrte

deutsche Christen, welche mit Erstaunen einen Juden in das neueTestament eingelesen sahen, der noch dazu dessen Schwächen aufzu-decken im Stande war, fühlten sich so sehr davon betroffen, daß derBischof von Brandenburg, Stephan Bodecker, einige Jahr-zehnte nach dem Erscheinen der Lipmann'schcn Schrift eine Gegen-schrift verfaßte.

Lipmann von Mühlhausen, der sich unter den Gefangenen befand,die unter der Anschuldigung des Apostaten Peßach-Peter litten, wurdevon der Geistlichkeit aufgefordert, dessen Anklagepunkte zu wider-legen. Seine Widerlegung ist sehr glücklich ausgefallen, scheint aberkeine Wirkung hervorgebracht zu haben; denn sieben und siebzigJuden wurden an dem Tage, an welchem der Kaiser Wenzel entthront,und Ruprecht von der Pfalz zum Kaiser erwählt wurde (22. August1400), hingerichtet, und drei Wochen später wurden noch drei zumScheiterhaufen geschleppt.-)

i) M^aollov dlo. 3.

-) Xi^aollou gegen Ende.