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8 (1897) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 2. Hälfte
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Unsicherheit für die Juden in Deutschland. 49

Klostermauern wurden die allerscheußlichsten Laster mit einer ArtOeffentlichkeit getrieben, nicht blos Unzucht und Blutschande, sondernauch Kindermord. Und diese schandbaren Vertreter der Kirche bean-spruchten die höchste Verehrung. Die Gegenpäpste in Rom undAvignon, welche einander der gröbsten Laster mit und ohne Ueber-treibung beschuldigten, verlangten nichts desto weniger jeder für sichgöttliche Verehrung durch Kniebeugung. Es war natürlich, daß dieGeistlichen die Laienwelt mit dem Pesthauch ihrer bodenlosenUnsittlichkeit und Verworfenheit ansteckten und befleckten! Und dieseentartete, entmenschte, tiefgesunkene christliche Welt durfte sich heraus-nehmen, die keusche, sittenreine, gottergebene Synagoge als eine ver-worfene, gottverfluchte zu behandeln. Rohe Gesellen und Wüstlingesprachen . den Juden, die ihnen in Allem, mit Ausnahme von raub-ritterlicher Tugend und Lasterhaftigkeit, überlegen waren, jedes Menschen-recht ab. Was Wunder, wenn sie wie Thiere des Feldes gehetzt underschlagen wurden! In Nördlingen ') wurde damals die ganze Ge-meinde mit Weibern und Kindern erschlagen (1384); in ganz Schwabenwurden die Juden gequält und in Augsburg so lange im Kerkergehalten, bis sie 20,000 Gulden gezahlt. Ein charakteristisches Bei-spiel liefert ein gewiß nicht vereinzelter Vorfall aus jener Zeit.Rabbiner und Gemeindevorsteher von Mitteldeutschland hatten eineReise angetreten, um in Weißenfels eine Synode zu halten unddurch Berathung gemeinnützige oder religiöse Beschlüsse zu fassen(1386). Sie hatten sich mit Geleitsbriefen von den sächsischen Fürstenversehen, weil es ohne solche zu jener Zeit für deutsche Reisendechristlichen Glaubens, um wie viel mehr für Juden keine Sicherheitauf der Landstraße gab. Nichts desto weniger lauerten ihnen deutscheRaubritter bei der Rückkehr auf, in der Erwartung, reiche Beute beiihnen zu finden, plünderten sie aus, mißhandelten sie, nahmen siegefangen und ließen sie erst um 5000 Groschen Lösegeld in Freiheit.Die gemißhandelten Rabbinen und Vorsteher klagten über den Raub-anfall bei den Fürsten, und diese, welche sich in ihrer Ehre verletztfühlten, daß ihre Namen auf den Geleitsbriefen so wenig geachtetwurden, zogen die ritterlichen Wegelagerer zur Verantwortung. Einerder Angeklagten trat mit der Sprache heraus und rechtfertigte seinund seiner Genossen Verfahren mit der Bemerkung: Daß es ihnenkeineswegs eingefallen sei, das Geleitschreiben der Fürsten zu miß-

*) Stetten, Geschichte von Augsburg I. S. 127. Es scheint nicht, daß sichder Passus in der Zionide ava idr . . -i.i (bei

Landshut ^inuüs ^doäa li. Beilage x. IV.) auf diese Verfolgung bezieht,wie Zunz, synagogale Poesie S- 44 annimmt.

Gractz, Geschichte der Juden. VIII. 4