Stand der Wissenschaft in Spanien.
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sich ihre Verfasser davon versprachen. Es fehlte im jüdischen Spaniengerade nicht an Schriften, aber an Männern, an thatkräftigen Charak-teren, an gebietenden Persönlichkeiten und Führern, welche durch Geist,Willensstärke und Haltung, wenn auch nicht die Masse, so doch dieHalbgebildeten zu sich zu erheben und auf sie einen Theil ihreseigenen Wesens überzuleiten vermocht hätten. Der Bannfluch gegendie Wissenschaft, welchen die peinliche Angst und die Ueberfrömmigkeiterlassen hatten, rächte sich gar empfindlich; er erzog ein Zwerggeschlechtund raubte die Einsicht in die Zeitverhältnisse, welche nur der durchdie Wissenschaft geschürfte Blick zu geben vermag. Selbst die Glaubens-treue litt darunter, das; dem Heranwachsenden Geschlechts die geistes-nährende Brust entzogen wurde. Nur einen einzigen Juden vontiefer philosophischer Bildung stellte diese Zeit auf, und auch dieserhatte nicht vermöge seines überlegenen Geistes, sondern wegen seinerStellung und talmudischen Kenntnisse einen, allerdings auch nicht allzuausgedehnten, Wirkungskreis. Dagegen waren die meisten spanischenNabbinen dieser Zeit entweder geradezu Feinde der Wissenschaft undnamentlich der Religionsphilosophie oder doch gleichgiltig dagegen.
Nur Laien befaßten sich damit, aber ihr Geist war nicht davondurchtränkt und noch weniger schöpferisch. Es ist charakteristisch fürdiese Zeit, daß sich kein Einziger mit Maimuni's religionsphilo-sophischem „Führer" beschäftigte, daß dagegen Jbn-Esra in Modekam. Der bruchstückliche Charakter dieses geistreichen, witzigen, mehrverhüllenden als aufveckenden Schrifterklärers, seine Gedankensprünge,das Vielerlei, das er in seinen Schriften niederlegte, sagten der Zer-fahrenheit des geistesschwachen Geschlechts mehr zu. Schein-TobSchaprut, Samueli^arya, Joseph Tob-Elem, Esra Gatiüound noch Andere verfaßten Supercommentarien zu Jbn-Esra'sPentateuch-Auslegung. Auflösung Jbn-Esra'scher Räthsel oder Ge-heimnisse und Erläuterungen seiner Dunkelheiten wurden als Auf-gaben gestellt und beschäftigten größere Kreise ernstlich. Seine Er-klärer ließen es sich besonders angelegen sein, von ihm den Makelder Ketzerei und des Unglaubens zu beseitigen und verfielen in dasandere Extrem, ihn gar zum Stockgläubigen zu stempeln.
Die Beschäftigung mit dem geistvollen Jbn-Esra hat den Geistseiner Ausleger keineswegs gehoben, vielmehr haben sie ihn lediglichzu ihrer Flachheit herabgezogen. Der Leidlichste unter ihnen warnoch Joseph b. Elieser Tob-Elem Sefardi (aus Saragossa?blühte um 1330—1370 ^). Wie sein Vorbild machte auch er viele
" Joseph Tob-Elem, Vers, des handschriftlichen Jbn-Esra-ComincntarsN)>'S und des edirtcn Auszuges daraus ist vielleicht identisch mit