Vierte Periode des dritten Zeitraums.
Epoche des gesteigerten Elends und Verfalles.
Erstes Mörtel.
Die Nachwehen des schwarzen Todes.
Versprengung und Verminderung der Juden. Allmähliche Rückkehr in ihrealten Wohnsitze in Deutschland und Frankreich. Gier der Fürsten nachJadcnbcsitz. Die goldene Bulle und die Juden. Rückkehr der Judennach Frankreich. Mancssicr de Vesou und sein Eifer. Privilegien derfranzösischen Juden unter Johann und Karl V. Verfall des Talmud-studiums diesseits und jenseits des Rheins. Matthatia, Obcrrabbiner inFrankreich. Mci'r Halcvi von Wien und der Morenu-Titcl. SamuelSchlettstadt und seine Schicksale. Gemetzel in Elsaß. Die Rabbincrsynodcvon Mainz. Der Würfclzoll.
( 1359 — 1380 .)
tPenn ein Reisender, gleich Benjamin von Tudela, in derzweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts durch Europa gewan-dert wäre, um die jüdischen Gemeinden zu besuchen, zu zählen undzu schildern, so hätte er ein trostloses Bild von denselben entwerfenmüssen. Von den Säulen des Herkules und dem atlantischen Meerebis zu den Ufern der Oder oder der Weichsel hätte er in vielenGegenden gar keine Juden und meistens nur winzige, verarmte oderjammernde Gruppen angetroffen, welche noch an den schwerenWunden bluteten, die ihnen hier die rohen Fäuste der durch die Pestverwilderten Volksmassen und dort der verzweifelte Bruder- undBürgerkrieg geschlagen hatten. Nach menschlicher Berechnung standdamals der Untergang der Juden im Westen und in der MitteEuropas nahe bevor. Die von den unbarmherzigen Metzeleien undder verzweifelten Selbstentleibung verschont Gebliebenen hatten denLebensmut!) cingebüßt. Die Gemeinde-Verbände waren meistens zer-sprengt. Die Erinnerung an die erlittenen Gräuelscenen zittertenoch lange nach und ließ dem schwachen Ueberrest keine Hoffnung
Graetz, Geschichte der Juden. VIII. 1