hüllte. DaS Mieder vom schönsten Blau stand sehr gutzu der Hellen Gesichtsfarbe und dem dunkeln, kastanien-braunen Haar, und über Allem trug sie jenes anmuthigeKleid, snsczriviiioc: genannt, von welchem der alte fran-zösische Dichter sang:
„(tar iniUs rode »'esr Sl bolle,r ll.un«: nö i> üoinmLollo."
Dieß Kleidungsstück, über dem übrigen Anzug getragen,hat vielleicht einen klassischen Ursprung, und mit kleinenAbweichungen findet man es auf den Etrurlschcn Vasen;es war lang und weit — vom Weißesten und feinsten Lin-nen— mit hängenden Aermeln, und auf den Seiten offen.Aber nicht der Anzug allein hatte die Gestalt und Erschei-nung des Mädchens verschönert — es war vielmehr einenicht zu beschreibende Veränderung im Ausdruck und inder Haltung. Sie sah ans,. als wäre sie für die Atmo-sphäre des HofcS geboren; zwar sittsam noch immer, be-scheiden und einfach — aber mit einem Bewnßtseyn vonWürde, beinahe von Macht: und in der That hatte dasWeib gelernt, welche Macht die weibliche Natur besitzt.Sie war bewundert, nmdrängt, geschmeichelt worden, siehatte die gebietende, beherrschende Gewalt der Schönheitkennen gelernt. Ihre Talente und Fertigkeiten, unge-wöhnlich bei ihrem Geschlecht in jenem Zeitalter, hattenden Zauber ihrer Persönlichkeit noch erhöht; ihr natürli-cher Stolz, hochstrebend und feurig, obwohl bisher ver-borgen, nährte ihr Herz mit süßen Hoffnungen — eineglänzende Laufbahn schien sich vor ihr zu eröffnen: und
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