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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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HXVIÜ.

GazlMlmmIiän Größe des GezcustonteS unsere« Gctiel'Ie«.

Des Beweises, daß Hermann und Dorothea nicht der heroischenEpopöe beigezählt werden darf, werden uns unsere Leser leicht überhebcn.Ed liegt von selbst am Tage, und ist noch mehr durch dasjenige klar, waswir bei der allgemeinen Prüfung des Geistes, in welchem cS gedichtetist, über seinen geringeren sinnlichen Neichthnm und seinen überwiegendgrößeren Gehalt für den Geist und die Empfindung gesagt haben. Esist unverkennbar, daß, so rein bildend cs auch den Sinn und die Einbil-dungskraft beschäftigt, cs doch diese letztere und die Sinne nicht in denlebhaften Schwung versetzt, in welchem uns z. B. Homer durch den Glanzund den Neichthnm seiner Dichtungen mit sich fortrcißt. Aber desto

nöthiger wird cs sein, einige Worte über die Größe und Wichtigkeit desGegenstandes, den es darstcllt, hinznznfügen, und cs gegen den Borwurfzu retten, daß cs nur die unbedeutenden Schicksale Hermanns und Doro-theens schildert.

ES ist natürlich, daß diese Größe nicht im ersten Augenblick in dieAugen fallen kann, daß sic sogar eben deswegen, weil sich ihr Bild erstnach und nach vor unserem Geiste gestaltet, eine eigen modificirtc Empsiu-dnng hcrvorbringt. Es ist ganz etwas anderes, mit der Ankündigungeines schon vorher bekannten Gegenstandes, oder mit der Sache selbst au-zuhcbcn; ganz etwas anderes, als epischer Sänger, als lebendiges OrgandeS Rufes und der Geschichte, oder als einfacher Erzähler, als bloßerDichter anfzntrcten. In dem crstcren Falle erhebt sich die Einbildungs-kraft deS Lesers ans den bloßen Ton, den sic anstimmcn hört, wird, nochohne daß der Gegenstand selbst wirkt, von dem Feuer mit ergriffen, dasden Dichter begeistert; in dem letzteren muß erst der Geist und das Herzden Stoff selbst umfassen, ehe das Interesse daran sich ihr ganz mitzu-theilcn vermag. Natürlich muß also dort das Gefühl einer glänzenderen,mehr phantastischen, aber eben so natürlich hier das einer gehaltvollerenund innigeren Größe entstehen. Und so finden wir cs auch in der That.Die ersten Verse des Dichters wecken bloß Neugierde und Thcilnahmc innnS, aber bei den letzten Gesängen find wir von dem Höchsten und Besten