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XVIII.
In wicfcrn »nicht unsci Dichter, bci ftincr Verwandtschaft nut der bildendenKunst, die besonderen Vorzüge der Dichtkunst geltend?
Daß dcr Dichter, welcher den wesentlichen Forderungen der Kunstein Genüge thut, zugleich das Wesen dcr Poesie in ihrem vollen Gehaltebenutzt, versteht sich von selbst. Denn er hat geleistet, was die Kunst
überhaupt verlangt, und keine anderen Mittel gehabt, als welche seine
besondere ihm darbot. In sofern bedürfte daher die aufgeworfene Fragekeiner weiteren Erörterung.
Allein das Wesen der Dichtkunst bietet demjenigen, dcr cs ganz zubenutzen versteht, mach so reiche und eigcnthümlichc Hülfsgnellcn dar, daß,um das Verdienst des Dichters vollkommen zu schätzen, cs nicht möglichist, dieselben mit Stillschweigen zu übergehen.
Wir reden jetzt nicht von dein Gehalte, welchen er den Gestaltenunterlegen kann, die er gleichsam von dcr bildenden Kunst entlehnt; wirbleiben noch für jetzt allein bei dem Vorzug dcr Objcctivität stehen, wel-chen er sich in einem bei weitem votlkommncrcn Grade, als jeder andere
Künstler, zu verschaffen im Stande ist.
Die Bildhauerkunst besitzt bloß Formen, die Malerei nur diese undColorit; beiden fehlt unmittelbare Bewegung, die sic nie anders, als durcheine Art der Täuschung hervorbringen können. Beide stellen also nur imRaum einen Gegenstand dar; haben nur Objcctivität für die Sinne, dieim Raume wirken. Durch die Macht, mit der die bloße Form hcrvor-tritt, erhält die Scnlptnr eine Einfachheit, die an Armuth zu gränzcnscheint, und selbst der Maler ist nur ans die Vorstellung gewisser Gegen-stände, und selbst noch in dcr Darstellung dieser beschränkt.
Der Dichtkunst ist die Bewegung so eigenthümlich, daß sic eigentlichkeinen Ausdruck für das Stillstchcndc hat. Nur dadurch, daß sic dasAuge die Umrisse dcr Figur durchlaufen läßt, kann sic eine Gestalt zeich-nen. Dies aber prägt dieselben dcr Einbildungskraft nur um so fester-em, da dcr Dichter sie nun vor ihr selbst erzeugt, sie im eigentlichstenVerstände nöthigt, sic selbst zu beschreiben. Sic wirkt ganz in dcr Zeit,greift dadurch tiefer, als die immer kältere bildende Kunst, in unsereEmpfindung ein, und beseelt ihre Schilderungen mit einein volleren Leben.