dicht beseelt, zeigt auch vielmehr, daß das Genie des Dichters, der esschuf, auf das Innigste mit dem Genius aller Knust verwandt und mitdem Gepräge gestempelt ist, welches die Kunst überhaupt, nicht diese oderjene einzelne ansschließend, bezeichnet — ein Vorzug, welcher ihm künftig(wir dürfen dies mit Sicherheit von der Gerechtigkeit der Nachwelt hoffen)unter allen neueren Dichtern eine vorzügliche Stelle anweiscn wird. Dennin der That hat bis jetzt keine Nation einen anderen anfzuweisen, der ihmhierin auch nur überh'anpt nahe käme.
Unstreitig liegt der Grund hiervon darin, daß er mehr, als ein an-derer, die bildende Kraft der Phantasie in Bewegung zu setzen, mehr bloßden Gegenstand hinznstctlcn, und damit seine ganze Wirkung hcrvorzubrin-gcn versteht. Indes; ist dies immer noch nicht bestimmt und klar genug;auch andere Dichter sind gleich treue Maler der Natur, ohne daß manihnen doch darum diesen Vorzug in gleichem Grade cinräumen darf.Man muß auch hier auf die Stimmung des Gemüthes, in dem Dichterund in seinem Leser, znrückgehcn; in ihr, in der Empfindung, mit der wirdiesen Dichter und einen anderen verlassen, liegt der feine, aber wichtigeUnterschied. Auch hier zeigt cS sich wieder, daß man cs als den Grnnd-irrthum aller bisherigen falschen ästhetischen Naisonnements ansehen kann,daß man im Objecte ausgesucht hat, was allein im Snbjcctc verborgenist, wenigstens nur an diesem eigentlich beschrieben, in jenem bloß empfun-den werden kann.
Da, wo ein solcher allgemeiner Kunstsinn vorwaltet, ist es durchausklar, heiter, ruhig und leicht in der Seele; die Phantasie allein ist thätig,und hier auf den äußeren Sinn bezogen, wie er, was er vor sich sieht, treuund still in sich anfnimmt. In diesem Zustande ist sie nie verwirrt, weilsic jeden Umriß deutlich von dem anderen absondcrt, nie unruhig odertrübe bewegt, weil sic bloß beschaut, bloß Gestalten, Leben und Bewegungvor sich erblickt, nie schwer oder drückend, weil sie in dieser Verbindungam leichtesten ihre bloß identische Natur beibehält. Wo hingegen die be-sondere Natur der Dichtkunst (insofern dieselbe nämlich, wie mm nach demVorigen klar sein muß, der Kunst überhaupt entgegengesetzt werden kann)das Ucbergcwicht hat, da ist die Einbildungskraft entweder wirklich nichtrein oder allein thätig, oder sic verliert doch durch die enge Verbindung,die sie nun mit dem Geist oder dem Herzen cingcht, von ihrer leichten undbloß objectivcn Natur. Das Gemllth ist nun nicht mehr bloß mit demGegenstände beschäftigt, in jedem Augenblicke wird zugleich die eigene Be-