Alles; es war beinahe sein ganzes Vermögen; aber erlebt noch und hat seine Freuden; er kann nicht speculiren,aber zusammensparen; er kümmerte sich nicht darum, obich Hungers starb, denn er findet stündlich sein Glück darin,zu darben."
„Und Euer Freund," sagte Philipp nach einer Pause,während welcher sein jugendliches Mitgefühl bei den ge-fährlichen Entschuldigungen seines Wohlthäters verweilte,— „was ist aus ihm geworden, und aus dem armenMädchen?"
„Mein Freund wurde ein vornehmer Mann; er erbteseines Vaters Peerschaft —eine sehr alte —und ein glän-zendes Einkommen. Er lebt noch. Nun, Ihr sollt auch vondem armen Mädchen hören! Man erzählt von Opfernder Verführung, die in Arbeitshäusern oder auf einer Dün-gerstätte gestorben, reuig, gebrochnen Herzens, ungemeinzerlumpt und sentimental; — mag ein häufigerFall seyn,ist aber nicht der schlimmste. Schlimmer ist es, dünkt mich,wenn das schöne, reuige, unschuldige, leichtgläubige Opferfremder List ihrerseits nun auch zur Betrügerin wird —wenn sie mit dem Athem, den fie eingesogen, die Ansteckungdes Lasters überkommen hat — wenn fie reist und mürbeund faul wird in geschminkter, aufgestutzter, augenblen-dender, feiler Buhlerei — wenn ste ihrerseits die warmeJugend zu Grunde richtet mit falschem Lächeln und langenRechnungen, und wenn — was noch viel, viel schlimmer!wenn sie Kinder hat, Töchter vielleicht, die für dasselbeGewerbe aufgezogen sind, eingesperrt und gemästet für