„Gott vergebe es mtr, Sidney," sagte er und wandtesich ab.
Aber wie nun Stdney, der das einschmeichelndste undfreundlichste Wesen besaß, seinen Bruder so betrübt sah,sprang er auf, und küßte ihn, und schalt sich selbst unartigund garstig. Aber die Worte waren nun einmal gesprochen,und ihr Sinn wurzelte tief in Philipps Herz. Auch wardieser selbst in seiner übermäßigen Zärtlichkeit für denKnaben beinahe krankhaft. Es gibt ein gewisses Alter,ehe die Geschlechtsliebe erwacht, wo das Gefühl der Freund-schaft beinah Leidenschaft ist. Man sieht dies immer beiMädchen und Knaben in der Schule. Es ist das erste,unbestimmte Verlangen des Herzens nach der Hauptnah-rung des menschlichen Lebens — der Liebe! Sie hat ihreEifersucht, ihre Launen und Grillen so gut wie die Liebeselbst. Philipp war von der scharfsichtigsten Empfindlichkeitin Betreff von Sidneys Liebe; er war eifersüchtig aufdas kleinste Theilchen derselben. Er fürchtete, sein Bruderkonnte ihm doch einmal entrissen werden.
Er sprang oft des Nachts aus dem Schlaf aus undging an Sidneys Bett, um zu sehen,^ob er da sey. Er ver-ließ ihn am Morgen mit trüben Ahnungen — er kehrtebeim Dunkel mit Furcht heim. Inzwischen wurde der Cha-rakter dieses jungen Mannes, der gegen Sidney so mildund zärtlich war, Andern gegenüber allmälig härter undherber. Er hatte sich zum Posten des Gebieters in jenemlärmenden Etablissement emporgeschwungen; und frühes