2007
Bruder liebte. In der Romantik meiner Knabenjahre lernteich ein Wesen kennen, das meine Einbildungskraft bezau-berte und mein Herz fesselte. Es war ein Traum von Schön-heit im wachenden Leben. Ich liebte — und glaubte michgeliebt. Mein ganzes Herz vertraute ich jenem Freunde,der mir mehr als ein Bruder war; er übernahm es, meineBewerbung zu unterstützen und ihr das Wort zu reden.Unter diesem Vorwand sah er zuerst das unglückliche Mädchen
— sah sie — verrieth sie — und richtete sie zu Grunde.Mir sagte er kein Wort davon, daß ihre Liebe, die ich mirgeweiht wähnte, so wild an einen Anderen verschwendetworden war. Er ließ mich auf dem Glauben, meine Bewer-bung habe sie in edclmüthiger Selbstaufopferung zur Fluchtbewogen — denn sie war arm und von geringer Herkunft
— und dieses Opfer — o eitler Thor, der ich war — seyzu gewaltig gewesen für ein junges Menschenherz, das indem Kampfe brach. Er ließ mich den Lenz meines Lebensin Gewissensbissen verzehren, drückte meine Hand mit fal-schen Trostworten und lächelte bei meinen Schmerzens-thränen, während er selbst nicht eine für sein armes Opferhatte! Und plötzlich — es ist noch nicht lange her —mußteich alles Dies erfahren. Und in Leonard Fairfields Vatererblickt Ihr den Mann, der mir alle Quellen der Freudevergiftet hat. Ihr weint! Oh, Violante, die Vergangen-heit, die von ihm verbittert und zu Grunde gerichtet wurde
— dies könnte ich vergeben' aber sein giftiger Hauch hatauch meine Zukunft getroffen. Denn unmittelbar vor derEntdeckung seines Verraths hatte ich angefangen, aus der