1885
Hinderniß im Wege liegt, Leonard Fairfield den Vorzug zugeben — was wird Euch durch diese Wahl geboten? SeineVerwandte, mit denen Ihr in Verkehr kommen müßt, sindgemein und ungebildet. Sein Einkommen quillt bloß auSeiner unsicheren Beschäftigung. Die kläglichste von allenSorgen — die um das tägliche Brod — wird sich bald indie Romantik mischen und Eurer Liebe alle Poesie rauben.Ihr denkt, seine Zuneigung werde Euch für jedes Opferschadlos halten. Thorheit! — die Liebe der Dichter gilteinem Dunst — einem Mondstrahl — einem Lustbewohner —einem Phantom, das sie ein Ideal nennen. Für einen Augen-blick wähnen sie, daß sie in Chloe oder Phyllis, in Helenoder einem Milchmädchen dieses Ideal gefunden haben. Pah!
— Wenn Ihr das erstemal mit der Bäckerrechnung vor denDichter hintretet — wohin entweicht das Ideal? Ichkannte einen herrlicheren Geist, als der von Leonard ist —eine weit begabtere Natur — es war ein Weib. Sie saheinen Man», der so hart und kalt war wie jener Stein zuEuren Füßen — ein falscher, hohler, schmutziger Weltling
— und erblickte in ihm Alles, was die Geschichte nicht ein-mal an einem Cäsar anerkennen und die Mythologie kaumeinem Apollo zutheilen würde. Für ihn war sie das Spiel-zeug einer Stunde — sie starb, und noch vor Ablauf einesJahres hatte er eine Geldhcirath geschlossen. Ich kannteein anderes Beispiel — es betrifft mich selbst. Ich liebte,eh' ich noch so alt war, als Ihr. Hätte mich damals einEngel gewarnt, so wäre ich eben so ungläubig gewesen, wieIhr. Es liegt nichts daran, wie dies endete; aber ohne jenen