1855
begegnen Aber warum gebt Ihr einem so schwcrmüthigenZweifel über die Zeit Raum, wann wir uns wieder sehenwerden?"
„Ich habe eben meinen Urlaub erhalten. Ich bin nichtwohl und ein Bischen hüftlahm; deshalb will ich für einigeWochen auf Reisen gehen."
Wider Willen empfand der finstere brütende Mann Mit-leid und Thcilnahme für die Niedergeschlagenheit, die sich»^Franks Gesicht und Stimme aussprach. „Wieder ei» durchLiebe Bethörter," dachte er, als wolle er sich gegen sich selbstentschuldigen. „Natürlich ein Bethörter, denn er ist ehrlichund truglos — wenigstens jetzt noch." Er drückte wohl-wollend den Arm an sich, den er unwillkürlich in den seinigengelegt hatte. „Ich kann mir wohl denken, daß der Gram anEurem Herzen nagt, mein junger Freund," sagte er; „aberIhr werdet Euch später zu dem Glück wünschen, was Euchjetzt das größte Leid zu seyn scheint."
„Mein theurer Lord —" ^
„Ich bin zwar viel älter als Ihr, aber doch nicht altgenug für diese steife Förmlichkeit. Zch bitte, nennt michL'Estrange."
„Ich danke Euch, und es wäre mir in der That lieb,wenn ich mit Euch wie mit einem Freunde reden dürfte. Esliegt mir ein Gedanke auf der Seele, den ich mir nicht ausdem Sinn schlage» kann. Er ist freilich thöricht genug; aberich bin überzeugt, daß Ihr nicht über mich lachen werdet.Ihr hörtet, was Madame di Negra in der letzten Nacht zümir sagte. Man hat mich verleitet und ein Spiel mit mir