1776
zu besuchen, wenn mich nicht eine Geschäftssache hieher führte— eine öffentliche Angelegenheit, darf ich sagen —eine Nationalangelegenheit!"
Harley verbeugte sich abermals. Ein leichtes Lächelnumzuckte für einen Augenblick seine Lippe, machte aberschnell wieder einem wehmüthigen, gedankenvollen Gesichts-ansdruck Platz, während er die schönen Züge des Mannesmusterte; denn bei aller männlichen Kühnheit darin bemerkteer doch eine gewisse Familienähnlichkeit mit dem Wesen, indessen Schönheit er früher sein Ideal von weiblicher Anmuthgefunden hatte. Er streckte plötzlich seine Hand ans undsagte mit mehr als gewöhnlicher Herzlichkeit:
»Gcschäftsangelegenhciten oder nicht, laßt uns alsFreunde mit einander sprechen — um eines Namens willen,der mich wieder nach Lansmere und in meine Jugend versetzt.Ich werde Euch mit Theilnahme Gehör schenken."
Sehr überrascht von dieser unerwarteten Freundlichkeitund — er wußte nicht wie es kam — durch den weichen,melancholischen Ton von Harley's Stimme gerührt, drückteRichard Nvenel mit Wärme die ihm dargebotene Hand. Einseltener Anfall von Befangenheit bemächtigte sich seiner;er erröthete, hustete, räusperte sich und blickte Anfangs zuBoden und dann auf die Seite, bis er Worte finden konnte,die ihm doch sonst schnell genug zu Gebot standen.
»Ihr seyd sehr gütig, Lord L'Estrange; nichts könnteschöner sehn. Ich fühle es hier, mein Lord" — und er klopfteauf seine gelbe Weste — „ja, das thu' ich, auf Ehre. Aberum nicht Eure Zeit zu mißbrauchen — denn Zeit ist Geld —