1762
hatte. Auf ihn zugehend, sagte er ruhig: 'Ich habe einenBrief für die Marchesa dt Negra. Sie sagte inir, ich falleihn durch Euch ihr zustellen, und ich habe Euch deßhalb denganzen Tag gesucht? Der Mann ging in die Falle, um soleichter, da ihn — wie er selbst zu Entschuldigung seinerEinfalt vvrbrachte, die ohne Zweifel schwerer auf seinemGewissen lastete, als die lausend und ein Verbrechen, welcheer im Lauf seines glorreichen Lebens begangen haben mag-— die Marchesa selbst zum Spion über Leonard bestellt under mit dem Scharfsinn eines Italieners, wo flch's um Her-zensangelegenheiten handelt, ihr Geheimniß entdeckt hatte."
„Welches Geheimniß?" fragte der unschnleige Philo-soph.
„Ihre Liebe zu dem schönen jungen Dichter. Ich ver-rathe dieses Geheimniß, weil es ihr einigermaßen als Ent-schuldigung dafür dient, daß sie sich von Peschiera als Werk-zeug brauchen ließ. Sie hegte den Wahn, Leonard sey inEure Tochter verliebt, und die Eifersucht riß sie zum Verrathhin. Ohne Zweifel wird Euch Violante hierüber weitereAuskunft geben. Gut; Beppo ging in die Falle. 'Gebtmir den Brief, Signor, aber schnell.'
,,'Zch habe ihn in einem Hotel, nicht weit von hier,liegen lassen. Kommt mit; Ihr sollt eine Guinee für EureMühe erhalten.'
„So brachte Leonard unseren Ehrenmann in mein Hotel.Nachdem er ihn in mein Ankleidezimmer geführt hatte,drehte er den Schlüssel um und ließ ihn drinnen. Als wirdie Kunde von dieser Habhastwerdnng vernahmen, beeilten