1718
„Halt!" sagte sie langsam. „Wie Ihr bemerkt, wirbeide sind Frauen aus demselben edlen Hause. Ihr weist dieBewerbung meines Bruders zurück, obschon Ihr ihn gesehenhabt und seine Gestalt dem Auge wohl gefallen, seine Kunstdie Phantasie bestricken kann. Er bietet Euch Rang, Neich-thum, die Begnadigung Eures Vaters und seine Zurück-berufung. Wenn ich nun die Einwendungen, die EuerVater zu machen hat, widerlegen — wenn ich beweisen könnte,daß der Graf weniger Unrecht gethan hat, als er meint,würdet Ihr dennoch den Rang, den Neichthum und die Handvon Giulio Franzini verwerfen?"
„O ja — ja; und wäre sie die Hand eines Königs!"
„Dann als Weib gegen Weib — beide, wie Ihr sagt,verwandt und demselben edlen Stamm entsprossen — ant-wortet mir dann — antwortet mir — denn Ihr sprecht mitJemand, der geliebt hat — liegt der Grund darin, daß Ihreinen Anderen liebt? Sprecht!"
„Ich weiß es nicht. Nein, nicht Liebe — cs war einromanhaftes Gefühl, eine Sache, die unmöglich ist. Fragtnicht weiter — ich kann Euch nicht antworten."
Und die abgebrochenen Worte wurden durch plötzlicheThränen erstickt.
Beatrice's Gesicht wurde hart und erbarmenlos. Wen-der ließ sie den Schleier fallen und zog die Hand von derHaltschnur zurück. Aber der Kutscher hatte die Berührunggefühlt und seine Pferde anhaltcn lassen.
„Zugefahren, wohin Ihr gewiesen seyd," sagte Beatrice.
Es folgte jetzt ein langes Schweigen. Nur mit Mühe