1610
Nora's Briefen, deren reine Musik nur Gedanken athmete,wie sie die zarteste Phantasie der innigsten Liebe eingibt.Egerton war einer von jenen Männern, welche sich über ihreAngelegenheiten nie offen gegen Weiber aussprechen, undNora, wenn sie ihr Herz gegen ihn ausströmen ließ, hattekeine Ahnung von seinem herben, prosaischen Nothstand.Und so — und so — da Levy, dieses Urbild des prosaischenLebens in seiner cynischsten Form, stets in der Nähe war— erschien allmälig das, was ein so reicher Erguß derLiebe war — die Klage über seine Abwesenheit, die Bittenum seine Rückkehr, die sanften Vorwürfe, wenn er einenPosttag versäumte, ihr auf ihre sehnsüchtigen SeufzereineAntwort zu senden — dem verständigen, positiven Mann deswirklichen Lebens in dem Lichte kränklicher romanhafterNebertrcibnng. Die glänzenden Pfeile schoßen zu hoch him-melwärts , um ein Ziel zu treffen, das der Erde so nahestand. Ach! das gewöhnliche Schicksal aller erhabenenNatnren! Welcher Schatz — und wie kläglich vergeudet!
„Beiläufig," sagte Levy eines Morgens, als er ebenim Begriffe war, Audley zu verlassen und nach Londonzurückzukehren — „beiläufig, ich komme diese» Abend in dieNähe von Mrs. Egertons Wohnung."
Egerton. — „Mrs. Bcrtram's, wollt Ihr sagen?"
Levy. — „Ja. Wird sie nicht einigen GeldznschuffeSbedürfen?"
Egerton. — „Meine Frau? — Noch nicht. Ichmuß zuerst gänzlich zu Grund gerichtet seyn, eh' es ihr an