1489
Marchesa hatte den Eintretenden den Rücken zugekehrt; aberFrank konnte sehen, daß sie weinte.
„Ich habe meinen Freund mitgebracht, damit er fürsich selbst das Wort nehme," sagte der Graf in französischerSprache; „und laßt Euch rathcn, Schwester: stoßt nichtalle Aussicht auf ein wirkliches und gediegenes Glück vonEuch um einer eitlen Bedenklichkeit willen. Seht Euchvor!"
Er entfernte sich und ließ Frank mit Beatricen allein.
Und nun wandte die Marchesa — ihre Bewegung wardabei so hastig und ihr Blick so wilo, daß es sie eine gewal-tige Anstrengung zu kosten schien — das Antlitz gegen ihrenFreier. Sie kam auf die Stelle zu, wo Frank stand.
„Oh," sagte sie, ihre Hände zusammenschlagend, „istes wahr? Ihr wollt mich retten von Schande — vonKcrkershaft; und was kann ich Euch dafür geben? MeineLiebe? Nein, nein. Ich will Euch nicht täuschen. So jung,so schon, so edel Ihr seyd, liebe ich Euch doch nicht, wie Ihrgeliebt werden solltet. Geht — verlaßt dieses Haus; Ihrkennt meinen Bruder nicht. Geht, geht — so lauge ich nochKraft, noch Tugend genug habe, zurückzuweisen, was michvor ihm schützen könnte. Wie immer — auch — mein —Oh — geht, geht!"
„Ihr liebt mich nicht," versetzte Frank. „Ich mußdies freilich begreiflich finden; Ihr seyd so Prächtig undmir so weit überlegen. Ich will der Hoffnung entsagen undEuch verlassen, wie Ihr mich geheißen habt. Aber wenig-stens das Recht, Euch zu dienen, werde ich nicht aufgeben,
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