und die Jahrc^ welche sic in derselben vergeudet hatte,schienen vor ihren Augen wie Nebel dahinznschwinden. Eswar ihr, als seh sie dem Erröthen und Seufzen der Jugend— der Jugend der italienischen Jungfrau zurückgegeben.Wie in der Hervorrufung unserer goldenen Jahre die Poesieihren Zauber auf uns alle übt, so wirkte auf sic der Zauberdes Dichters selbst.
O wie schön war diese kurze Episode iu dem Lebender Frau, welche die „feilen Scenen und Klänge" des welt-lichen Lebens satt hatte! Wie wunderbar beseligend ent-schwanden ihr die Stunden, als, durch ihre stumme Sym-pathie angelockt, der junge Dichter von seinen frühenKämpfen des inneren Drangs mit dem Schicksal sprach —wie er unter den Blumen brütete und das Plätschern derFontäne dabei in sein Ohr schlug, oder wie er im düster» Lichtder Lampen durch die öden Straßen wandelte, während dasGespenst von Chatterton's blitzenden Augen schreckenerregendhinter den sreundlosen Schatten zu lauern schien. Undmochte er von seinem Hoffen oder Fürchten reden, ihr Blickweilte zärtlich auf dem jungen Anllitz, dessen Ausdruck zwi-schen Stolz und Wehmuth wechselte — der erstere so sanftund die letztere so edel rührend. Sie wurde cs nie satt,diese Stirne mit ihrer ruhigen Kraft zu betrachten; aberihre Wimpern senkten sich vor den Augen so voll erhabenerunerforschlicher Glut. Sic fühlte, und es kam ihr keinenAugenblick aus dem Sinn, was es Tiefes und Heiliges umdie Liebe in solchen Seelen seyn müsse. Leonard sprach ntevon Helen mit ihr — eine Zurückhaltung, die man be-
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