Druckschrift 
12/17 (1853)
Entstehung
Seite
1353
Einzelbild herunterladen
 

1353

Mit Bewunderung und nicht ohne Staunen erkannteLeonard das auffallend feine und scharfsinnige Urtheil, dasHarley in den kurzen, klaren Strichen an den Tag legte, mitwelchen er die Charaktere von Peschiera und Beatrice zeich-nete; auch überraschte ihn die Kühnheit, mit welcher derselbeein ganzes System von Handlungen auf einige Folgerungengründete, die er seiner Würdigung menschlicher Antriebe undcharakteristischer Elemente entnahm. Unser junger Freundhatte nicht erwartet, so viel praktischen Scharfblick beieinem Manne zu finden, der bei all seiner hohen-Begabungsonst so gleichgültig, so träumerisch und um die gewöhnlichenDinge des Lebens so unbekümmert zu seyn schien. AberHarley L'Estrange gehörte unter diejenigen, deren Kräftenur so lange schtnmmern, bis Umstänce eintreten, welchesie in Thätigkeit rufen mit einem Worte, er bedurfte nurdes spornenden Antriebs.

Harley fuhr fort:

Nach einer Unterhaltung, die ich gestern Abend mitder Dame hatte, kam mir der Gedanke, daß bei diesem Theilunserer Diplomatik Ihr uns einen wesentlichen Dienst leistenkönnet. Madame di Negra dies ist der Name von Pes-chiera's Schwester bewundert Euren Genius und wünschtsehr, Euch persönlich kennen zu lernen. Ich habe ihr ver-sprochen, daß ich Euch bei ihr einführen wolle, und werdeWort halten, muß aber zuvor eine Warnung an Euch er-gehen lassen. Die Dame ist sehr schön und in Wahrheitbezaubernd. Es wäre möglich,daß sich Euer Herz und Eure z

Sinne ihren Reizen gegenüber nicht Probefest erhielten."