Druckschrift 
12/17 (1853)
Entstehung
Seite
1171
Einzelbild herunterladen
 

1171

diesen Blick; denn obschon sie im Zimmer blieb, setzte sie.»sich doch in weiter Entfernung nieder und nahm ein Buch ans.

Es war rührend anznsehen, wie der ernste Geschäfts-mann sich Mühe gab, de» Geist dieses ruhigen scheuen Mäd-chens zu prüfen, und wer ihm zugehört hätte, würde Wohlbegriffen haben, wie es kam, daß er einen so großen gesell-schaftlichen Einfluß besaß, und wie gut er im Laufe seinesLebens zu einer oder der andern Zeit gelernt hatte, mitden Frauen umzugchen.

Er redete zuerst von Harley L'Estrange sprach vonihm mit Takt und Zartgefühl, Helen antwortete Anfangsnur cinsylbig, ging aber allmälig in einen Ton dankbarerund offener Anhänglichkeit über, Audleys Stirne beschat-tete sich. Er sprach dann von Italien, und obgleich Nie-mand weniger von einem Dichter in seinem Wesen hatte,wußte er doch mit der Gewandtheit eines erfahrenen Welt-mannes, der daran gewöhnt war, die Eigenthümlichkeitender verschiedenartigsten Charaktere ausznholen, Gegenständeauf die Bahn zu bringen, welche dazu dienten, das Poeti-sche in and'eren Naturen zu wecken. Helens Antworten be-kundeten einen gebildeten Geschmack und einen bezaubern-den weiblichen Geist, verriethen aber zugleich, daß der-selbe gewöhnt war, sein Colorit Anderen zu entnehmenund das Hehre und Schöne zu schätzen, zu verehren, zu be-wundern, jedoch nur mit bescheidenem, demüthigem Sinne.Da war nichts von feuriger Begeisterung, keine Aeußerungvon auffallender Originalität, kein Leuchten einer zünden-den, schöpferischen Kraft. Egerton ging endlich aus Cng-

74 '