II. Zu der Lehre von den Paralogi'smcn der reinen Vernunft. 687
bestimmbaren Selbst (dem denkenden Subject), wie Erkenntniß vomGegenstände unterschieden sei. Gleichwohl ist nichts natürlicher undverführerischer, als der Schein, die Einheit in der Synthesis derGedanken für eine wahrgenommene Einheit im Subjccte dieser Ge-danken zu halten. Man könnte ihn die Subreption des hyposta-sirten Bewußtseins (sxperccptioni8 sudslantiittae) nennen.
Wenn man den Paralogismus in den dialektischen Vernunst-schlüfsen der rationalen Seelenlehre, sofern sie gleichwohl richtigePrämissen haben, logisch betiteln will, so kann er für ein soxbismaÜKurae üictionis gelten, in welchem der Obersatz von der Kategorie,in Ansehung ihrer Bedingung, einen blos transscendentalen Gebrauch,der Untcrsatz aber und der Schlußsatz in Ansehung der Seele, dieunter diese Bedingung subsumirt worden, von eben der Kategorieeinen empirischen Gebrauch macht. So ist z. B. der Begriff derSubstanz in dem Paralogismus der Simplicität ein reiner intellek-tueller Begriff, der ohne Bedingung der sinnlichen Anschauung blosvon transscendentalen: d. i. von gar keinem Gebrauch ist. Im Un-tersatze ist aber eben derselbe Begriff auf den Gegenstand aller innerenErfahrung angewandt, ohne doch die Bedingung seiner Anwendung inconcreto, nämlich die Beharrlichkeit desselben, voraus festzusetzenund zum Grunde zu legen, und daher ein empirischer, obzwar hierunzulässiger Gebrauch davon gemacht worden.
Um endlich den systematischen Zusammenhang aller dieser dia-lektischen Behauptungen in einer vernünftelnden Seelcnlehre, ineinem Zusammenhangs der reinen Vernunft, mithin die Vollstän-digkeit derselben zu zeigen, so merke man, daß die Apperceptiondurch alle Elasten der Kategorien, aber nur auf diejenigen Vcrstan-desbegriffe durchgeführt werde, welche in jeder derselben den übrigenzum Grunde der Einheit in einer möglichen Wahrnehmung liegen,folglich: Subsistenz, Realität, Einheit (nicht Vielheit) und Existenz,nur daß die Vernunft sie. hier alle als Bedingungen der Möglichkeiteines denkenden Wesens, die selbst unbedingt sind, vorstellt. Alsoerkennt die Seele an sich selbst