Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
687
Einzelbild herunterladen
 

II. Au der Lehre von den Paralogismen der reinen Vernunft. l>87

nicht die Bewegung der Materie in uns Vorstellungen wirke, son-dern daß sic selbst, (mithin auch die Materie, die sich dadurchkennbar macht,) blose Vorstellung sei und endlich die ganze selbstgemachte Schwierigkeit darauf hinauslaufe: wie und durch welcheUrsache die Vorstellungen unserer Sinnlichkeit so unter einander inVerbindung stehen, daß diejenige, welche wir äußere Anschauungennennen, nach empirischen Gesetzen, als Gegenstände außer uns vor-gestcllt werden können? welche Frage nun ganz und gar nicht dievermeinte Schwierigkeit enthält, den Ursprung der Vorstellungenvon außer uns befindlichen, ganz fremdartigen wirkenden Ursachen zuerklären, indem wir die Erscheinungen einer unbekannten Ursache fürdie Ursache außer uns nehmen, welches nichts, als Verwirrung ver-anlassen kann. Jn Urtheilen, in denen eine durch lange Gewohnheiteingewurzelte Mißdeutung vorkommt, ist cs unmöglich, die Berich-tigung sofort zu derjenigen Faßlichkeit zu bringen, welche in anderenFällen gefordert werden kann, wo keine dergleichen unvermeidlicheIllusion den Begriff verwirrt. Daher wird diese unsere Befreiungder Vernunft von sophistischen Theorien schwerlich schon die Deut-lichkeit haben, die ihr zur völligen Befriedigung nüthig ist.

Ich glaube diese aus folgende Weise befördern zu können.

Alle Einwürfe können in dogmatische, kritische undskeptische eingetheilt werden. Der dogmatische Einwurf ist, derwider einen Satz, der kritische, der wider den Beweis eines Satzesgerichtet ist. Der erste« bedarf einer Einsicht in die Beschaffenheitder Natur eines Gegenstandes, um das Gegenthcil von demjenigenbehaupten zu können, was der Satz von diesem Gegenstände vorgibt;er ist daher selbst dogmatisch und gibt vor, die Beschaffenheit, vonder die Rede ist, besser zu kennen, als das Gegenthcil. Der kritischeEinwurf, weil er den Satz in seinem Wcrthe oder Unwerthe unan-getastet läßt und nur den Beweis ansicht, bedarf gar nicht denGegenstand besser zu kennen oder sich einer besseren Kenntniß desselbenanzumaßen; er zeigt nur, daß die Behauptung grundlos, nicht, daßsic unrichtig sei. Der skeptische stellt Satz und Gegensatz wechsel-seitig gegen einander, als Einwürfe von gleicher Erheblichkeit, einen