li. Zu der Lehre von den Paralogismen der reinen Vernunft- 683
n priori , ans dem bloscn Begriffe eines ausgedehnten undurchdring-lichen Wesens, in der elfteren aber aus dem Begriffe eines denkendenWesens gar nichts n priori synthetisch erkannt werden kann. DieUrsache ist diese. Obgleich beides Erscheinungen sind, so hat dochdie Erscheinung vor dem äußeren Sinne etwas Stehendes oder Blei-bendes, welches ein, den wandelbaren Bestimmungen zum Grundeliegendes Substratum und mithin einen synthetischen Begriff, näm-lich den vom Raume und einer Erscheinung in demselben an dieHand gibt, anstatt daß die Zeit, welche die einzige Form unsererinneren Anschauung ist, nichts Bleibendes hat, mithin nur den Wechselder Bestimmungen, nicht aber den bestimmbaren Gegenstand zuerkennen gibt. Denn in dem, was wir Seele nennen, ist Alles imcontinuirlichen Flusse und nichts Bleibendes, außer etwa, (wennman es durchaus will,) das darum so einfache Ich, weil diese Vor-stellung keinen Inhalt, mithin kein Mannigfaltiges hat, weswegensic auch scheint ein einfaches Object vorzustcllcn, oder besser gesagt,zu bezeichnen. Dieses Ich müßte eine Anschauung sein, welche,da sie beim Denken überhaupt (vor aller Erfahrung) vorausgesetztwürde, als Anschauung u priori synthetische Sätze lieferte, wenncs möglich sein sollte, eine reine Vernunfterkenntniß von der Natureines denkenden Wesens überhaupt zu Stande zu bringen. Alleindieses Ich ist so wenig Anschauung, als Begriff von irgend einemGegenstände, sondern die blose Form des Bewußtseins, welchesbeiderlei Vorstellungen begleiten und sie dadurch zu Erkenntnissenerheben kann, sofern nämlich dazu noch irgend etwas Anderes inder Anschauung gegeben wird, welches zu einer Vorstellung voneinem Gegenstände Stoff darreicht. Also fällt die ganze rationalePsychologie, als eine, alle Kräfte der menschlichen Vernunft über-steigende Wissenschaft, und es bleibt uns nichts übrig, als unsereSeele an dem Leitfaden der Erfahrung zu studiren und uns in denSchranken der Fragen zu halten, die nicht weiter gehen, als mög-liche innere Erfahrung ihren Inhalt darlegen kann.
Ob sie nun aber gleich als erweiternde Erkenntniß keinen Nutzenhat, sondern als solche aus lauter Paralogismcn zusammengesetzt ist,