Druckschrift 
2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
679
Einzelbild herunterladen
 

ll. Zu der Lehre von den Paralogismcn der reinen Vernunft. V7ll

was in ihm gegeben d. i. durch Wahrnehmung vorgcstcllt wird, istin ihm auch wirklich; denn wäre cs in ihm nicht wirklich d. i. un-mittelbar durch empirische Anschauung gegeben, so könnte es auchnicht erdichtet werden, weil man das Reale der Anschauungen garnicht it priori erdenken kann.

Alle äußere Wahrnehmung also beweiset unmittelbar etwasWirkliches im Raume, oder ist vielmehr das Wirkliche selbst, undin sofern ist also der empirische Realismus außer Zweifel, d. i. eScorrespondirt unseren äußeren Anschauungen etwas Wirkliches imRaume. Freilich ist der Raum selbst, mit allen seinen Erscheinungen,als Vorstellungen nur in mir; aber in diesem Raume ist dochgleichwohl das Reale, oder der Stoff aller Gegenstände äußererAnschauung wirklich und unabhängig von aller Erdichtung gegeben,und es ist auch unmöglich, daß in diesem Raume irgend etwasaußer uns (im transsccndcntalcn Sinne) gegeben werden sollte,weil der Raum selbst außer unserer Sinnlichkeit nichts ist. Alsokann der strengste Idealist nicht verlangen, man solle beweisen, daßunserer Wahrnehmung der Gegenstand außer uns (in stricter Be-deutung) entspreche. Denn wenn cs dergleichen gäbe, so würde cSdoch nicht als außer uns vorgcstellt und angeschaut werden können,weil dieses den Raum voraussetzt, und die Wirklichkeit im Raume,als einer blosen Vorstellung, nichts Anderes, als die Wahrnehmungselbst ist. Das Reale äußerer Erscheinungen ist also wirklich nurin der Wahrnehmung und kann auf keine andere Weise wirklich sein.

Aus Wahrnehmungen kann nun, entweder durch ein blosesSpiel der Einbildung, oder auch vermittelst der Erfahrung Erkenntnißder Gegenstände erzeugt werden. Und da können allerdings trüg-liche Vorstellungen entspringen, denen die Gegenstände nicht entspre-chen und wobei die Täuschung bald einem Blendwerke der Einbil-dung (im Traume), bald einem Fehltritte der Urtheilskraft (beimsogenannten Betrüge der Sinne) beizumessen ist. Um nun hierindem falschen Scheine zu entgehen, verfährt man nach der Regel:Was mit einer Wahrnehmung nach empirischen Gesetzenzusammcnhängt, ist wirklich. Allein diese Täuschung sowohl,