Il- Zu der Lehre von den Paralogismcn der reine» Vernunft. ti77
große Wichtigkeit znzugcstehcn, als einem von den Problemen, darausdie menschliche Vernunft sich schwerlich zu helfen wisse. Denn inder That, wenn man äußere Erscheinungen als Vorstellungen an-sieht, die von ihren Gegenständen, als an sich außer uns befind-lichen Dingen, in uns gewirkt werden, so ist nicht abzuschen, wieman dieser ihr Dasein anders, als durch den Schluß von der Wir-kung auf die Ursache erkennen könne, bei welchem es immer zwei-felhaft bleiben muß, ob die letztere in uns oder außer uns sei. Nunkann man zwar einräumcn, daß von unseren äußeren Anschauungenetwas, was im transsccndentalen Verstände außer uns sein mag,die Ursache sei; aber dieses ist nicht der Gegenstand, den wir unterden Vorstellungen der Materie und körperlicher Dinge verstehen;denn diese sind lediglich Erscheinungen d. i. blose Vorstcllungsartcn,die sich jederzeit nur in uns befinden und deren Wirklichkeit aufdem unmittelbaren Bewußtsein eben so, wie das Bewußtsein meinereigenen Gedanken beruht. Der transsccndcntale Gegenstand ist, so-wohl in Ansehung der inneren als äußeren Anschauung, gleich un-bekannt. Von ihm aber ist auch nicht die Rede, sondern von demempirischen, welcher alsdann ein äußerer heißt, wenn er imRaume, und ein innerer Gegenstand, wenn er lediglich imZeitvcrhältnisse vorgestellt wird; Raum aber und Zeit sindbeide nur in uns anzutrcffen.
Weil indessen der Ausdruck: außer uns, eine nicht zu ver-meidende Zweideutigkeit bei sich führt, indem er bald etwas bedeutet,was als Ding an sich selbst von uns unterschieden cxistirt, baldwas blos zur äußeren Erscheinung gehört, so wollen wir, umdiesen Begriff in der letzteren Bedeutung, als in welcher eigentlichdie psychologische Frage wegen der Realität unserer äußeren An-schauung genommen wird, außer Unsicherheit zu setzen, empirischäußerliche Gegenstände dadurch von denen, die so im transscen-dentalcn Sinne heißen möchten, unterscheiden, daß wir sic geradezuDinge nennen, die im Raume anzutrcffen sind.
Raum und Zeit sind zwar Vorstellungen a priori, welcheuns als Formen unserer sinnlichen Anschauung beiwohnen, ehe noch