II. Zu der Lehre von den Puralogismen der reinen Vernunft. 665
der formale Satz der Apperception: Ich denke, der ganze Grund,auf welchen die rationale Psychologie die Erweiterung ihrer Erkennt-nisse wagt, welcher Satz zwar freilich keine Erfahrung ist, sonderndie Form der Apperception, die jeder Erfahrung anhangt und ihrvorgeht, gleichwohl aber nur immer in Ansehung einer möglichenErkcnntniß überhaupt als blos subjektive Bedingung angesehenwerden muß, die wir mit Unrecht zur Bedingung der Möglichkeiteiner Erkcnntniß der Gegenstände, nämlich zu einem Begriffevom denkenden Wesen überhaupt machen, weil wir dieses uns leichtvorstellen können, ohne uns selbst mit der Formel unseres Bewußt-seins an die Stelle jedes anderen intelligenten Wesens zu setzen.
Aber die Einfachheit meiner selbst (als Seele) wird auch wirk-lich nicht aus dem Satze: Ich denke, geschlossen, sondern der crstereliegt schon in jedem Gedanken selbst. Der Satz: Ich bin einfach,muß als ein unmittelbarer Ausdruck der Apperception angesehenwerden, so wie der vermeintliche carteft'anische Schluß: coxito, erxos»m, in der That tautologisch ist, indem das coxito («um eugi-tans) die Wirklichkeit unmittelbar aussagt. Ich bin einfach, bedeu-tet aber nichts mehr, als daß diese Vorstellung: Ich, nicht diemindeste Mannigfaltigkeit in sich fasse, und daß sie absolute (ob-zwar blos logische) Einheit sei.
Also ist der so berühmte psychologische Beweis lediglich auf deruntheilbaren Einheit einer Vorstellung, die nur das Verbum in An-sehung einer Person dirigirt, gegründet. Es ist aber offenbar, daßdas Subject der Jnharcnz durch das dem Gedanken angchängte Ichnur transsccndental bezeichnet werde, ohne die mindeste Eigenschaftdesselben zu bemerken, oder überhaupt etwas' von ihm zu kennenoder zu wissen. Es bedeutet ein Etwas überhaupt (transscenden-talcs Subject), dessen Vorstellung allerdings einfach sein muß, ebendarum, weil man gar nichts an ihm bestimmt, wie denn gewiß nichtseinfacher vorgcstellt werden kann, als durch den Begriff von einemblvsen Etwas. Die Einfachheit aber der Vorstellung von einemSubject ist darum nicht eine Erkcnntniß von der Einfachheit desSubjekts selbst; denn von dessen Eigenschaften wird gänzlich