Die Architektonik der reinen Vernunft. 623
Menschen entspringen können,) dürfen nur dann allein auch subjectivdiesen Namen führen, wenn sie aus allgemeinen Quellen der Ver-nunft, woraus auch die Kritik, ja selbst die Verwerfung des Ge-lernten entspringen kann, d. i. aus Principien geschöpft worden.
Alle Vcrnunfterkcnntniß ist nun entweder die aus Begriffen,oder aus der Construction der Begriffe; die erste« heißt philoso-phisch, die zweite mathematisch. Von dem inneren Unterschiede bei-der habe ich schon im ersten Hauptstücke gehandelt. Ein Erkennt-niß demnach kann objectiv philosophisch sein, und ist doch subjectivhistorisch, wie bei den meisten Lehrlingen und bei Allen, die überdie Schule niemals hinausschen und zeitlebens Lehrlinge bleiben.Es ist aber doch sonderbar, daß das mathematische Erkenntnis;, sowie man es erlernt hat, doch auch subjectiv für Vernunfterkenntnißgelten kann, und ein solcher Unterschied bei ihm nicht so, wie bei- dem philosophischen .Statt findet. Die Ursache ist, weil die Er-kenntnißqucllen, aus denen der Lehrer allein schöpfen kann, nirgendsanders, als in den wesentlichen und achten Principien der Vernunftliegen, und mithin von dem Lehrlinge nirgend anders hergenommen,noch etwa bestritten werden können, und dieses zwar darum, weilder Gebrauch der Vernunft hier nur in concreto, obzwar dennochir priori, nämlich an der reinen, und eben deswegen fehlerfreienAnschauung geschieht und alle Täuschung und Jrrthum ausschließt.Man kann also unter allen Vcrnunftwissenschaften (a priori) nurallein Mathematik, niemals aber Philosophie, (cs sei denn histo-risch,) sondern, was die Vernunft betrifft, höchstens nur pHilö-se» pH iren lernen.
Das System aller philosophischen Erkenntnis; ist nun Philo-sophie. Man muß sic objectiv nehmen, wenn man darunter dasUrbild der Beurtheilung aller Versuche zu philosophiren versteht,welche jede subjective Philosophie zu beurheilcn dienen soll, derenGebäude oft so mannigfaltig und so veränderlich ist. Auf dieseWeise ist Philosophie eine blose Idee von einer möglichen Wissen-schaft, die nirgend in concreto gegeben ist, welcher man sich aberauf mancherlei Wegen zu nähern sucht, so lange, bis der einzige,