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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
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610
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610 Mcthodenlchec. II Haupcst. II. Abschn.

Wir finden daher auch in der Geschichte der menschlichen Ver-nunft, daß, che die moralischen Begriffe genugsam gereinigt, bestimmt,und die systematische Einheit der Zwecke nach denselben und zwaraus nothwendigen Principien eingesehcn waren, die Kcnntniß derNatur und selbst ein ansehnlicher Grad der Cultur der Vernunft zumanchen anderen Wissenschaften thcils nur rohe und umherschwcifcndeBegriffe von der Gottheit Hervorbringen konnte, thcils eine zu bmun-derndc Gleichgültigkeit überhaupt in Ansehung dieser Frage übrig ließ.Eine größere Bearbeitung sittlicher Ideen, die durch das äußerstreine Sittengcsetz unserer Religion nothwcndig gemacht wurde, schärftedie Vernunft auf den Gegenstand, durch das Interesse, das sie andemselben zu nehmen nöthigte, und ohne daß weder erweiterte Natur-kenntnisse, noch richtige und zuverlässige transscendentale Einsichten,(dergleichen zu aller Zeit gemangelt haben,) dazu beitrugen, brachtensie einen Begriff vom göttlichen Wesen zu Stande, den wir jetztfür den richtigen halten, nicht weil uns speculative Vernunft vondessen Richtigkeit überzeugt, sondern weil er mit den moralischenVernunftprincipicn vollkommen zusammenstimmt. Und so hat amEnde doch immer nur reine Vernunft, aber nur in ihrem praktischenGebrauche das Verdienst, ein Erkenntniß, das die blose Spekulationnur wähnen, aber nicht geltend machen kann, an unser höchstesInteresse zu knüpfen und dadurch zwar nicht zu einem demonstrirtenDogma, aber doch zu einer schlechterdings nothwendigen Voraus-setzung bei ihren wesentlichsten Zwecken zu machen.

Wenn aber praktische Vernunft nun diesen hohen Punct erreichthat, nämlich den Begriff eines einigen Urwesens, als des höchstenGuts, so darf sie sich gar nicht unterwinden, gleich als hätte siesich über alle empirische Bedingungen seiner Anwendung erhobenund zur unmittelbaren Kcnntniß neuer Gegenstände cmporgeschwungen,um von diesem Begriffe auszugehcn und die moralischen Gesetzeselbst von ihm abzulciten. Denn diese waren cs eben, deren innerepraktische Nothwcndigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbststän-digen Ursache oder eines weisen Weltrcgicrcrs führte, um jenenGesetzen Effect zu geben, und daher können wir sic nicht nach diesem