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2 (1838) Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
589
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Die Disciplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise. 5!-!»

sätzc aus reiner Vernunft sein, so ist wiederum alle Mühe umsonst.Denn die Vernunft hat deren zwar, aber als objektive Grundsätzesind sic insgcsammt dialektisch, und können allenfalls nur wie re-gulative Principien des systematisch zusammenhängenden Erfahrungs-gebrauchs gültig sein. Sind aber dergleichen angebliche Beweiseschon vorhanden, so setzet der trüglichen Ueberzeugung das nonlignet eurer gereiften Urtheilskrast entgegen, und ob ihr gleich dasBlendwerk derselben noch nicht durchdringen könnt, so habt ihr dochvölliges Recht, die Deduction der darin gebrauchten Grundsätze zuverlangen, welche, wenn sie aus bloser Vernunft entsprungen seinsollen, euch niemals geschafft werden kann. Und so habt ihr nichteinmal nöthig, euch mit der Entwickelung und Widerlegung einesjeden grundlosen Scheins zu befassen, sondern könnt alle an Kunst-griffen unerschöpfliche Dialektik am Gerichtshöfe einer kritischen Ver-nunft, welche Gesetze verlangt, in ganzen Haufen auf einmalabweisen.

Die zweite Eigcnthümlichkeit transscendcntaler Beweise ist diese,daß zu jedem transsccndcntalen Satze nur ein einziger Beweis ge-funden werden könne. Soll ich nicht aus Begriffen, sondern ausder Anschauung, die einem Begriffe corrcspondirt, cs sei nun einereine Anschauung, wie in der Mathematik, oder empirische, wie inder Naturwissenschaft, schließen, so gibt mir die zum Grunde ge-legte Anschauung mannigfaltigen Stoff zu synthetischen Sätzen, wel-chen ich auf mehr, als eine Art verknüpfen, und, indem ich vonmehr, als einem Puncte ausgchen darf, durch verschiedene Wege zudemselben Satze gelangen kann.

Nun geht aber ein jeder transsccndentaler Satz blos von einemBegriffe aus, und sagt die synthetische Bedingung der Möglichkeitdes Gegenstandes nach diesem Begriffe. Der Beweisgrund kannalso nur ein einziger sein, weil außer diesem Begriffe nichts weiterist, wodurch der Gegenstand bestimmt werden könnte, der Beweisalso nichts weiter, als die Bestimmung eines Gegenstandes über-haupt nach diesem Begriffe, der auch nur ein einziger ist, enthal-ten kann. Wir hatten z. B. in der transscendentalen Analytik den