Die Disciplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise. 587
billigcrmaßcn über dergleichen gewagte Schritte cinsindcn muß. Dahersind auch alle Versuche, den Satz des zureichenden Grundes zubeweisen, nach dem allgemeinen Geständnisse der Kenner vergeblichgewesen, und ehe die transsccndentale Kritik auftrat, hat man lieber,da man diesen Grundsatz doch nicht verlassen konnte, sich trotzig aufden gesunden Menschenverstand berufen, (eine Zuflucht, die jederzeitbeweiset, daß die Sache der Vernunft verzweifelt ist,) als neuedogmatische Beweise versuchen wollen.
Ist aber der Satz, über den ein Beweis geführt werden soll,eine Behauptung der reinen Vernunft, und will ich sogar vermit-telst bloser Ideen über meine Erfahrungsbegriffe hinausgchcn, somüßte derselbe noch vielmehr die Rechtfertigung eines solchen Schrit-tes der Synthesis, (wenn es anders möglich wäre,) als eine noth-wendigc Bedingung seiner Beweiskraft in sich enthalten. So schein-bar daher auch der vermeintliche Beweis der einfachen Natur unse-rer denkenden Substanz aus der Einheit der Apperception seinmag, so steht ihm doch die Bedenklichkeit unabweislich entgegen,daß, da die absolute Einfachheit doch kein Begriff ist, der unmit-telbar auf eine Wahrnehmung bezogen werden kann, sondern alsIdee blos geschloffen werden muß, gar nicht einzusehen ist, wiemich das blose Bewußtsein, welches in allem Denken enthaltenist oder wenigstens sein kann, ob es zwar so fern eine einfache Vor-stellung ist, zu dem Bewußtsein und der Kcnntniß eines Dingesüberführen solle, in welchem das Denken allein enthalten seinkann. Denn wenn ich mir die Kraft eines Körpers in Bewe-gung vorstelle, so ist er so fern für mich absolute Einheit undmeine Vorstellung von ihm ist einfach; daher kann ich diese auchdurch die Bewegung eines Punktes ausdrücken, weil sein Volumenhiebei nichts thut und ohne Verminderung der Kraft so klein, wieman will, und also auch als in einem Punct befindlich gedachtwerden kann. Hieraus werde ich, aber doch nicht schließen, daß,wenn mir nichts, als die bewegende Kraft eines Körpers gegebenist, der Körper als einfache Substanz gedacht werden könne, darum,weil seine Vorstellung von aller Größe des Raumcsinhalts abstrahirt