Die Disci'plin der reinen Verminst im polem. Gebrauche.
fahrung und deren innere Möglichkeit beziehen, hcrnchmcn? Aber es istauch apodiktisch gewiß, daß niemals irgend ein Mensch auftrcten werde,der das G cgcnth eil mit dem mindesten Scheine, geschweige dogma-tisch behaupten könne. Denn weil er dieses doch blos durch reine Ver-nunft darthun könnte, so müßte er es unternehmen, zu bewegen, daßein höchstes Wesen, daß das in uns denkende Subject, als reine Intel-ligenz, unmöglich sei. -Wo will er aber die Kenntnisse hernehmen,die ihn, von Dingen über alle mögliche Erfahrung hinaus so synthetischzu urtheilen, berechtigten? Wir können also darüber ganz unbekümmertsein, daß uns Jemand das Gegentheil einstens beweisen werde, daßwir darum eben nicht nöthig haben, auf schulgcrechte Beweise zusinnen, sondern immerhin diejenigen Sätze annchmen können, welchemit dem speculativen Interesse unserer Vernunft im empirische» Ge-brauch ganz wohl zusammcnhgngcn und überdem, es mit dem prakti-schen Interesse zu vereinigen, die einzigen Mittel sind. Für dcnGcgncr,sder hier nicht blos als Kritiker betrachtet werden muß,) haben wirunser non lignet in Bereitschaft, welches ihn unfehlbar verwirrenmuß, indessen daß wir die Retorsion desselben auf uns nicht weigern,indem wir die subjective Maxime der Vernunft beständig im Rückhaltehaben, die dem Gegner nothwcndig fehlt und unter deren Schutz wir alleseine Luftstreiche mit Ruhe und Gleichgültigkeit ansehen können.
Auf solche Weise gibt cs eigentlich gar keine Antilhetik derreinen Vernunft. Denn der einzige Kampfplatz für sie würde aufdem Felde der reinen Theologie und Psychologie zu suchen sein;dieser Boden aber tragt keinen Kämpfer in seiner ganzen Rüstungund mit Waffen, die zu fürchten waren. Er kann nur mit Spottund Großsprecherei auftrcten, welches als ein Kinderspiel belachtwerden kann. Das ist eine tröstende Bemerkung, die der Vernunftwieder Muth gibt; denn worauf wollte sie sich sonst verlassen, wennsic, die allein alle Irrungen abzuthun berufen ist, in sich selbst zer-rüttet wäre, ohne Frieden und ruhigen Besitz hoffen zu können?
Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgend einer Absichtgut. Selbst Gifte dienen dazu, andere Gifte, welche sich in unsereneigenen Säften erzeugen, zu überwältigen, und dürfen daher in