Vorrede
zur ersten Ausgabe vom Jahre 1781.
Die menschliche Verminst hat das besondere Schicksal in einerGattung ihrer Erkenntnisse, daß sic durch Fragen belästigt wird, diesie nicht abweiscn kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Ver-nunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kanndenn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.
In diese Verlegenheit geräth sie ohne ihre Schuld. Sie fängtvon Grundsätzen an, deren Gebrauch im Laufe der Erfahrung unver-meidlich und zugleich durch diese hinreichend bewährt ist. Mit diesensteigt sie (wie cs auch ihre Natur mit sich bringt) immer höher, zuentfernteren Bedingungen. Da sie aber gewahr wird, daß auf dieseArt ihr Geschäft jederzeit unvollendet bleiben müsse, weil die Fragenniemals aufhörcn, so sicht sie sich gcnöthigt zu Grundsätzen ihre Zu-flucht zu nehmen, die allen möglichen Erfahrungsgebrauch überschrei-ten und gleichwohl so unverdächtig scheinen, daß auch die gemeineMenschmvernunft damit im Einverständnisse stehet. Dadurch aberstürzt sie sich in Dunkelheit und Widersprüche, aus welchen sie zwarabnehmen kann, daß irgendwo verborgene Zrrthümer zum Grundeliegen müssen, die sie aber nicht entdecken kann, weil die Grundsätze,deren sie sich bedient, da sie über die Grenze aller Erfahrung hinaus-gehen, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkennen. DerKampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten heißt nun Metaphysik.
Es war eine Zeit, in welcher sie die Königin aller Wissen-schaften genannt wurde, und wenn man den Willen für die Thalnimmt, so verdiente sie wegen dcr-vorzüglichen Wichtigkeit ihres Gegen-standes allerdings diesen Ehrennamen. Jetzt bringt es der Modeton
1 *