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Geschichte der Juden.
zum Muster. Mit ihm bei der theilweiscn Verbannung aus Amster-dam nach Polen geworfen, später in Mähren (Ungarisch-Brod) lebend,hat sich Jakob Emden doch von dem Unwesen der Juden dieser Gegendso ziemlich freigehalten. Er war nicht ganz abgestumpft für dasWahre und Einfache, haßte die in Klügelei ansgeartete rabbinischeGelehrsamkeit, war nicht unempfänglich für allgemeines Wissen; aberdie verkehrte religiöse Richtung der Zeit hinderte auch ihn, sich demihm angeborenen Trieb nach Forschung hinzugeben. Als echter Sohndes Talmud glaubte er ganz ernstlich: ein Jude dürfe sich mit ander-weitigem Wissen nur in der Dämmerstunde beschäftigen. Zeitungs-lesen am Sabbat hielt er nicht für erlaubt*). Auch wurde er imTalmud heimisch; da er aber nicht genug Scharfsinn besaß, so be-handelte er eigentlich nur die Abfälle desselben mehr nach altjüdisch-dentscher als nach Polnischer Art. Auch die Kabbala und den Soharschätzte Emden hoch und kannte anfangs ihre gefährlichen Aus-schreitungen gar nicht. Die Philosophie war ihm ein Gräuel, obwohler sie nicht kannte. In seiner Querköpfigkeit behauptete er, dasphilosophische Buch „der Führer" könne nicht Maimuni, den recht-gläubigen Rabbinen, zum Verfasser Habens. Von Charakter war erbieder, wahrheitsliebend, gesinnungsvoll und bildete nach dieser Seiteeinen scharfen Gegensatz zu Jonathan Eibeschütz. Was Emden fürwahr oder falsch erkannt hatte, scheute er sich nicht geradezu aus-zusprechen, mit Eifer und beißender Schärfe zu vertheidigen oder zuverwerfen. Klug etwas verheimlichen, hinter dem Berge halten, heuchelnwar seine Art nicht. Auch nach einer andern Seite war er von Eibeschützverschieden. Dieser war freundlich, schmiegsam, sorglos, leichtlebig, gesellig;Emden dagegen unverträglich, rücksichtslos, ernst, trüb gestimmt, die Ein-samkeit liebend. Wohlhabend und von Geschäften lebend, war Emdenstets abgeneigt, ein Rabbinat anzunehmen. Er kannte sich, seinenUnabhängigkeitstrieb, seine Eckigkeit und seinen Ungestüm zu gut.Nur einmal hatte er sich bewegen lassen, eine Rabbinerstelle in Emdenanzuuehmen (davon hatte er seinen Beinamen); aber er gab sie ausUnbehagen und Kränklichkeit nach wenigen Jahren wieder auf, siedeltesich (um 1730) als Privatmann in Altona an, ließ sich vom Königvon Dänemark das Privilegium zu einer Druckerei ertheilen, bauteein Haus mit einer eigenen Synagoge (was ihm ebenfalls willig ein-geräumt worden war), bildete mit seiner Familie und wenigen Freundengewissermaßen eine Gemeinde innerhalb der Gemeinde, besuchte zwardie Börse, lebte aber eingesponnen in seiner eigenen Traumwelt.
*) In seinen Usszzp. (I, Nr. 162.)