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Geschichte der Juden.
Richard Simon sehr eifrig der Juden von Metz angenommen hat,als sie eines Christenkindermordes angeklagt waren (o. S. 246).Auch wo er sonst Gelegenheit hatte, nahm er die Juden gegen falscheAnklagen und Verdächtigungen in Schutz. Ein getaufter Jude,Christian Gerson, der ein protestantischer Pastor geworden war,hatte im Anfang des siebzehnten Jahrhunderts zur Schmähung desTalmud Auszüge, namentlich lächerliche Legenden, aus demselben mit-getheilt, die vielfach gedruckt und verbreitet wurden^). Richard Simonschrieb dagegen an einen Schweizer, welcher diese deutschen Auszügeins Französische übersetzen wollte: Gerson sei nicht von der Schuldfreizusprecheu, daß er Wortspiele und reine allegorische Wendungenim Talmud für wahre Geschichten ausgegeben habe. Gerson wälzeder gesammten jüdischen Nation gewisse Jrrthümer zu, die nur vondem leichtgläubigen Volke angenommen wurden, welches Dichtung vonGeschichte nicht zu unterscheiden vermöge, und darum verunglimpfe erso sehr den Talmuds. Man darf nicht vergessen, daß es ein an-gesehener Priester und noch dazu ein nüchterner, maßvoller Kopf war,der dem Judenthum so viel Gutes nachsagte. Seine in lebhaftemfranzösischen Style geschriebenen, von der gebildeten Welt viel gelesenenBücher und Briefe haben dem Judeuthume viele Freunde erworbenoder wenigstens seine Feinde vermindert. Indessen scheint die officiellekatholische Welt diesem Lobreduer des Judeuthums ein wenig auf dieFinger geklopft zu haben, und Richard Simon, der die Ruhe liebte,mußte zum Theil widerrufen: „Ich habe zu viel Gutes von dieserelenden Nation gesagt, da ich sie in der Folge durch Umgang mitEinigen von ihnen kennen gelernt habe"^). Das kann nicht ausseinem Herzen gekommen sein, welches nicht gewohnt war, eine ganzeMenscheuklasse nach einigen Individuen zu beurtheilen und zu ver-dammen.
Bemerkenswertst ist es, daß Richard Simon am richtigsten denuujüdischen Ursprung und die Verwerflichkeit der Kabbala erkannthat. Viele gelehrte Christen seiner Zeit standen nicht auf dieser Höheund waren fast ebenso wie die Juden von dieser lügenhaften Lehregeblendet, über die jener sich mit Recht lustig machte. Tonangeberfür diese Richtung waren zwei geachtete Schriftsteller Heinrich Morusin Canterbury und Knorr von Rosenroth in Sulzbach (Baiern),von denen der erstere so gut wie gar nichts von der Kabbala verstand,
U S. über denselben Wolf I. III, IV. Nr. 1896, Steinschneider,6. L. 5146.
") Richard Simon, Usttrss olloisiss I. No. 7.
°) Das. No. 23.