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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

War schon lange nicht vereint gesehen worden. 118 Personen jedesAlters und Geschlechts! Siebzig oder noch mehr Judaisirende hattendie verschiedenen Tribunale geliefert; die übrigen waren sogenannteHexen, Männer, die mehr als eine Frau hatten, ein verheiratheterPriester und ähnliche Verbrecher. Des Morgens früh wurden allediese Unglücklichen barfuß, in Hemden und Papiermützen, mit Teufelnund Flammen bemalt, mit brennenden Kerzen in Händen, zur Prozessiongeführt, begleitet von Geistlichen und Mönchen aller Orden, Ritternund Familiären der Inquisition mit flatternden Fahnen und Kreuzen.Kohlenbrenner mit Hellebarden eröffneten den Zug nach altem Brauchund Vorrecht. Bilder von verstorbenen und flüchtigen Ketzern, mitNamen bezeichnet, und Särge mit den Gebeinen der Unbußfertigenwurden von Henkersknechten der Inquisition getragen. Der geistes-schwache König, die junge Königin Maria Louise d'Orleans, Hof-damen, Großwürdenträger, der hohe und niedere Adel, alle diese warenvon Morgens an auf dem Schauplatz versammelt und hielten in derdrückenden Hitze bis spät Abends aus. Wer von bedeutenden Persön-lichkeiten, selbst von Damen, ohne Grund fehlte, kam dadurch in denVerdacht der Ketzerei. Die Geistlichkeit bot allen Tand auf, um das Schau-spiel imposant und denkwürdig zu machen. Beim Anblick der Schlacht-opfer rief das ganze Volk, wie zu erwarten war, abermals:Es lebeder Glaube!" Plötzlich hörte man die flehentliche Stimme einer kaumsiebzehnjährigen Marranin von wunderbarer Schönheit, welche in derNähe der Königin zu stehen kam, ausrufen:Großmüthige Königin!

erbarmen Sie sich meiner Jugend! Wie kann ich der Religion entsagen,die ich mit der Muttermilch eingesogen?" Maria Louise de Bourbon,selbst nicht viel älter, unterdrückte eine Thräne. Der GroßinquisitorDiego de Sarmento ließ die feierliche Gelegenheit nicht unbenutztvorübergehen, den König beim Evangelium und dem Kreuze an seinePflicht als allerchristlichste Majestät zu ermahnen: daß er die Un-gläubigen und Ketzer verfolgen, sie ohne Ansehen der Person bestrafen,der heiligen Inquisition seinen Arm leihen und sie mit seiner könig-lichen Macht unterstützen wolle. Laut rief Karl:Das schwöre ichbei meiner königlichen Würde." Denselben Eid wiederholten die Groß-würdenträger, die Ritter und die Bürgerschaft, und die Menge bekräftigteihn mit einem weithinschallenden Amen. Der König fügte die That demWorte hinzu und zündete zuerst mit einer ihm gereichten Fackel denScheiterhaufen an, und zu diesem waren achtzehn Marranen ver-

D XVII. p. 34 sg. Eine Monographie darüber von Kayserling, ein Feiertagin Madrid (Berlin 185U).