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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

sang Psalmen, legte den Sohar aus, ließ am Sabbat aus der ThoraAbschnitte vorlesen und wählte dazu öfter sieben Jungfrauen aus.In Folge seines häufigen Verkehrs mit Juden, die er doch nicht somassenhaft zum Mohammedanismus herüberzuziehen vermochte, wieer aufschneiderisch sich gerühmt haben mag, soll Mehmed Effendizuletzt in Ungnade gefallen sein, seinen Gehalt eingebüßt haben undvon Adrianopel nach Coustantinopel verbannt worden sein. Erheirathete zuletzt noch eine Frau, die Tochter eines talmudkundigenMannes, Joseph Philosoph aus Salonichi. Als ihn einst dietürkische Schaarwache in einem Dorfe bei Constantinopel (Kuru G'ismu)in einem Conventikel mit Juden beim Psalmsingcn überraschte undder Bostangi Baschi (Offizier) Anzeige davon machte, ertheilte derGroßwesir dem Kaimakam den. Befehl, ihn nach Albanien in einkleines Städtchen Dulcigno, wo keine Juden wohnten, zu verbannen.Dort starb er, man sagte später am Versöhnungstage, vereinsamt undverlassen (1676).

Der ebenfalls vom Judenthum abgefallene Spinoza, welcher allediese Erscheinungen erlebt hat, mag Wohl mit großer Verachtung aufdieses tollhäuslerische messianische Treiben geblickt haben. Wenn esihm darum zu thun war, das Judenthum zu uuterwühlen und zn be-statten, so hätte er in Sabbatar Zewi, in dessen GeheimschreiberSamuel Primo und dessen Propheten Bundesgenossen und Helfers-helfer begrüßen müssen. Die Unvernunft der Kabbala hat dasJudenthum viel wirksamer in Mißachtung gebracht, als die Vernunftund Philosophie. Aber das ist das Merkwürdige, daß weder dieeine noch die andere die zahlreich gebildeten Juden Amsterdams vonder Religion ihrer Väter abbringen konnte, so fest wurzelte sie inihren Herzen. Gerade in dieser Zeit der doppelten feindlichenStrömung gegen das Judenthum im eigenen Schooße, im Morgen-und Abendlande unternahm (1671) die zu. 4000 Familien an-gewachsene portugiesische Gemeinde den Bau einer Prachtsynagogeund vollendete das durch Kriegsunruhen unterbrochene großartigeWerk nach einigen Jahren. Die Einweihung der Synagoge (10. Ab 2. August 1675) wurde mit größter Feierlichkeit und mit Pompbegangen. Weder der erste, salomonische Tempel, noch der zweite,der zerubabelsche, noch der dritte, der herodianische, sind so viel be-sungen und durch Beredtsamkeit gepriesen worden, wie der neueAmsterdamer Tempel (Talmud Tora genannt). Abbildungen mitKupferstichen wurden davon, mit Versen versehen, verbreitet. Christenbetheiligten sich ebenfalls dabei. Sie schossen den Juden in der be-drängten Zeit Geld zum Bau vor, und ein Dichter Romeyn de