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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Herrschaft und ausgewählte Bibelsprüche ^). In der sichern Erwartungbaldiger Rückkehr ins heilige Land führten die Vorsteher in einerSynagoge den Brauch ein, allsabbatlich den Priestersegen zu sprechen 2),während er bis dahin nur in gesammelter Stimmung während derFeiertage üblich war. Mit jeder neuen Nachricht aus Smyrna nahmauch hier die Zahl der Sabbatianer und ihre Raserei zu. Hierwurden Andachtsbücher mit Gebeten zur Beförderung des Messias-reiches gedruckt, welche auf dem Titelkupfer Sabbatai's Bildniß alleinoder umgeben von zwölf Personen, seinen Jüngern, enthielten.

In Hamburg trieben es die Juden fast noch toller, weil sieden bigotten Christen gegenüber, die ihnen noch immer mit Beschränkungenund Quälereien, womöglich mit dem Zwang, christliche Predigten an-hören zu müssen, vielfach zusetzten, eine Demonstration machen wollten.Wer in die Synagoge trat und ihr Hüpfen, Springen und Tanzenmit der Gesetzrolle im Arm, und dieses von ernsten würdigen Männern,mit spanischer Vornehmheit und Grandezza sah, mußte sie für wahn-sinnig halten. Eine geistige Krankheit war es in der That, die sie sokindisch und närrisch machte; ihr erlagen auch die angesehensten Männerder Gemeinde. Manoel Texeira, auch Isaak Tenor Texeiragenannt (geb. um 1630, ft. um 1695^), war nach dem Tode seines Vaters,des aus Portugal ausgewanderten und in Hamburg angesiedelten mar-ranischen Edelmanns Diego Texeira (o. S. 19), einige Monate vor-her Resident, Banquier und Vertrauter der ehemaligen Königin Christinevon Schweden geworden. Sie schätzte ihn wegen seiner Redlichkeit,seines edlen Wesens und seiner Klugheit. Sie wechselte Briefe überwichtige Angelegenheiten mit ihm, besprach mit ihm die politischenInteressen der europäischen Staaten und traute ihm einen tiefen staats-männischen Blick zu. Während ihres Aufenthaltes in Hamburg nahmsie, zum Verdruß der judenfeindlichen Hamburger Geistlichkeit, dieWohnung in Manoel Texeira's Haus, unbekümmert darum, daß dieprotestantischen Prediger sie von den Kanzeln deswegen streng tadelten.Als der Senat ihm einst wegen Verdrießlichkeit mit der Geistlichkeitseinetwegen das Wort abgenommen hatte, die Stadt nicht ohne seineZustimmung zu verlassen, sprach die Königin nach ihrer Weise ein scharfesWort gegen den Magistrat und betrachtete die ihrem Residenten auf-gelegte Beschränkung als eine Beleidigung gegen ihre Person. InTexeira's Haus verkehrten die vornehmsten Männer und spielten mit

9 Wolf II. x. 1459,1469; Steinschneider, Outul. Loäl. Ho. 3032, 3034,3037.

") Sasportas Lssx. l>io. 68 71.

9 Note 2 II.