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Geschichte der Juden.
den Gegner, welcher es durch Einwürfe erschüttern will, und auch dieRolle des Vorsitzenden, welcher das Für und Wider zusammenfaßt.Nach und nach trübte sich sein Geist so sehr, daß er sich öfters selbstfragte: „Bin ich wirklich Don Balthasar Orobio, welcher sich in denStraßen Sevillas bewegte, im Wohlstand lebte und eine Familie hatte?"Sein ganzes vergangenes Leben kam ihm wie ein Traum vor, und.er glaubte im Kerker geboren zu sein und dort auch sterben zu müssen.Aber das Jnquisitionstribunal brachte noch einmal Abwechslung insein wüstes Traumleben. Es ließ ihn in ein dunkles Gewölbe führen,das nur durch einen matten Lampeuschein erhellt war. Kaum konnteer den Richter, den Schreiber und den Scharfrichter erkennen, welchesich mit ihm beschäftigen wollten. Nachdem er wieder ermahnt wordenwar, sein Verbrechen, judaisirt zu haben, offen einzugestehen, und er abermalsgeleugnet hatte, entkleidete ihn der Henker, band ihn mit Stricken, welchemit Haken an der Wand in Verbindung standen, brachte seinen Körperin eine schwebende Bewegung zwischen Gewölbe und Fußboden undzog die Stricke so fest an, daß ihm das Blut aus den Nägeln drang.Seine Füße wurden außerdem mit einer kleinen Leiter, deren Sprossenmit Spitzen versehen waren, kräftig in Verbindung gebracht. Dabeiwurde der Gefolterte öfter ermahnt, Geständnisse abzulegen, und bedroht,falls er im Leugnen verharre, noch gräßlicher» Schmerzen unterworfenzu werden, die ihm den Tod zuziehen könnten, den er dann nicht demTribunal, sondern seiner Halsstarrigkeit zuzuschreiben haben würde.Er überlebte indeß die Folterqualen, wurde in den Kerker zurückgebracht,um seine Wunden vernarben zu lassen, daun verurtheilt, zwei Jahredas Schandhemde (Lsuksuito) zu tragen und endlich aus Spanienverwiesen. Er begab sich nach Toulouse, wo er Professor der Medicinan der Universität wurde. Obwohl in seiner neuen Stellung geachtet,konnte Orobio doch nicht lange die Heuchelei ertragen, gab sie auf,ging nach Amsterdam, bekannte sich offen zum Judenthum und nahmden Namen Isaak an (um 1666). Kein Wunder, wenn er einerbitterter Gegner des Christenthums wurde, das er gründlich kennengelernt hatte. Er wurde aber auch ein überzeugter Anhänger des Juden-thums, bewährte sich als muthiger und geschickter Kämpfer für dieReligion seiner Väter und versetzte dem Christenthum, wie Wenigevor ihm, so nachhaltige Schläge, daß sich ein angesehener protestantischerTheologe (van Limborch) gedrungen fühlte, es gegen Orobio's Angriffein Schutz zu nehmen.
Alle diese vielseitig gebildeten Jünglinge und Männer, diedichterischen Krieger Enriquez Gomez, Nicolas de Oliver y Fullana,Joseph Arias, die Schriftsteller Joseph Pensa, Thomas de Pinedo,