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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

daß ihmeine polemische Schrift von einem jüdischen Spanier Amitaib. Jedaja Jbn-Raz aus Alkala iu die Hände gerathen sei, dieihn zu tieferen Nachdenken augeregt habe, und er habe eine Wider-legung derselben ausgearbeitet. Den Theil, der die Angriffe enthält,nannte erThorenstimme" (Lol Saodal) und die RechtfertigungLöwengebrülle" (SoliasAut Digest*). Es ist die Zwiespältigkeitseines Innern, die wechselnde Ueberzeugung, die Leon Modena inzwei Rollen vertheilte. Den Gegner des Judenthums läßt er miteiner Kühnheit sich aussprechen, wie sie Uriel da Costa kaum schärfergeäußert hat. Nicht dem talmudisch-rabbinischen Judenthum alleinentzieht er den Boden, sondern auch dem biblischen, der sinaitischenOffenbarung, der Thora. Ihre Berechtigung beruhe lediglich auf einereigenen Welt- und Gottesanschauung, allenfalls auf Wahrscheinlichkeit,aber keineswegs ans Gewißheit. Vorausgesetzt, daß das Weltall nichtvon Ewigkeit her vorhanden, sondern zu einer Zeit geschaffen sei, folgeallerdings daraus die Nothwendigkeit eines Schöpfers, daß derselbeseinen vorhersehenden Blick auf alle Geschöpfe und besonders auf denMenschen richte, daß ihm nicht alle Handlungen des mit Willensfrei-heit ausgerüsteten Menschen gleichgültig, daß ihm vielmehr die gutenangenehm, die bösen unangenehm seien, daß er ans die einen Lohn,aus die andern Strafe verhängt, und daß er endlich zu diesem Zwecke,um den Menschen einen Leitfaden zu geben, sich ihm offenbart oder dieThora gegeben habe. Freilich kann aber auch das Entgegengesetzte wahrsein! daß die Welt urewig und daß Gott nur als Weltseele zu be-trachten sei. In diesem Falle sei alles im Weltall ein Gefüge starrerNothwendigkeit und Gesetzmäßigkeit, dann habe es keinen Schöpfungsaktgegeben, gebe auch keine göttliche Vorsehung, und also sei die Offen-barung am Sinai eine menschliche Erfindung ^).

Viel eindringlicher sind die Schläge, die Leon Modena der münd-lichen Lehre oder dem talmudischen Judenthum iu einem Anfall von

ff Beides zuerst abgedruckt von Reggio in nrna, Görz 1852. Reggiohatte vollkommen Recht zu behaupten, daß auch die offensive Schrift Modenaangehöre, und daß der Name n^xp^xr: ,1 >1 m'LX, sowie das darin vorkommendeDatum 1500 fingirt sind. Hingegen kann ich mich mit Reggio's Ansicht nichtbefreunden, daß Modena von der Defensive nur die vorhandenen zweiKapitel geschrieben, und daß er die Berechtigung der Anklage gegen das rab-binische Judenthum vollständig anerkannt hätte. Diese Partie muh vielmehrursprünglich eine ganze Schrift ausgemacht haben, da er selbst sie in derSelbstbiographie unter ihrem Titel mix o?xir, als eine Apologie für dasrabbinische Judenthum, citirt: inx neo? nrurn mix rax'§ 'o

ne (in der Selbstbiographie).

ff Dieser Gedankengang ist verhüllt gegeben in ff,? I, 2. 10.