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Geschichte der Juden.
nehmen muß. Zuerst muß ich mit bittern Thränen und Beklemmungder Seele jene harte und schreckliche Anklage einiger Christen widerdie zerstreuten und niedergebeugten Juden beweinen, daß sie (ich zittre,indem ich dieses niederschreibe) bei der Feier des Passahfestes zurGähruug ihres Brodes sich des Blutes von Christen bedienen sollten,die sie zu diesem Zwecke umgebracht hätten". Dieser so oft und auchvon Prynue behaupteten erlogenen Anklage ist der größte Theil seinerVertheidigung gewidmet, und sie ist schlagend ausgefallen. Die Be-glaubigung dafür führte er mit Recht entweder auf falsche Zeugenoder die Geständnisse der Angeklagten auf der Folter zurück. DieWahrheit und die Unschuld der Angeklagten sei öfter an den Taggekommen, aber zu spät, wenn sie bereits hingerichtet waren. Manassebelegte dieses mit einer ergötzlichen Geschichte. Der Arzt eines portu-giesischen Grafen war von der Inquisition als judaisirender Christangeklagt und eingekerkert worden. Vergebens verbürgte sich derGraf für dessen Rechtglänbigkeit, er wurde nichts destoweniger gefoltertund gestand selbst ein, daß er ein judaisirender Sünder sei. Daraufhabe der Graf, eine schwere Krankheit vorschützend, den Inquisitor zusich rufen lassen und in seinem Hause bei verschlossenen Thüren ihmmit drohender Miene befohlen, schriftlich einzugestehen, daß er einJude sei. Der Inquisitor weigerte sich; da bringt ein Bedienter einenglühenden Helm, um ihm denselben auf den Kopf zu setzen. Daraufgesteht der Inquisitor Alles ein, was der Graf von ihm verlangt hat,und dieser nimmt davon Gelegenheit, ihm seine Grausamkeit und Un-menschlichkeit vorzuwerfen.
Manasse B. Israel betheuerte zum Ueberfluß mit einem feier-lichen Eide, um die so oft wiederholten Anschuldigungen wegen Ge-brauchs von Christenblut abzuweisen: „Ich beschwöre, daß ich nieeinen solchen Gebrauch bei dem Volke Israel.gesehen, und daß es nieeine solche Ruchlosigkeit ansgeübt oder auch nur versucht hat". Nachdemer alle übrigen Beschuldigungen gegen die Juden auf ihr Nichtszurückgeführt hat, beschließt er seine Schutzschrift mit einem schönenGebete und mit einer Anrede an England. „Die sehr ehrwürdigeenglische Nation ersuche ich ganz unterthänigst, daß sie meine Gründeunparteiisch und ohne Vorurtheil und Leidenschaftlichkeit lesen möge,die durch die Propheten verheißene Zeit nahen zu lassen, daß wirGott eines Sinnes anbeten und daß wir die Tröstungen Zionssehen mögen".
Diese letzte Schrift Manasse B. Israels hat in England den ge-wünschten günstigen Eindruck gemacht. Denn wenn auch Cromwellunter der zunehmenden Schwierigkeit seiner Regierung die Zulassung der