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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

haben, war mit seiner jungen Frau im Gefolge seines Schwiegervatersvor dem Wuthschnauben der Russen entflohen. Auf der Flucht wurdeer von den Seinigen getrennt. Blutdürstige Banden, welche auf eineGruppe Flüchtlinge gestoßen und viele derselben getödtet hatten, führtenbereits den Todesslreich auch gegen ihn. War es Mitleid oder Ver-achtung, genug der Krieger, welcher Jakob Aschkenasi bereits zum letztenNiederknien befohlen hatte, stieß ihn plötzlich mit dem Rücken seiner Klingefort. Wunderbar errettet, brachte er mehrere Tage unter Leichen zu,um nicht anderen Banden in die Hände zu fallen. Sein Schwieger-vater, der Rabbiner Ephraim Kohen, war indeß mit den Seinigennach Mähren (Trebitsch) entkommen, und er vernahm ans dem Mundeanderer Flüchtlinge die Trauerbotschaft vom Tode seines TochtermannesJakob Aschkenasi. Die Nachricht lautete so bestimmt, daß er seineTochter nach der Entscheidung eines Rabbiners als Wittwe er-klärte und in sie drang, sich wieder zu verheirathen. Sie aber bliebdabei: ihr Gatte müsse noch am Leben sein und schlug trauernd jedenHeirathsantrag ans. Erst nach einem halben Jahre beschwerlicherWanderungen fand Jakob Aschkenasi seine treue Gattin wieder st

Für das Judenthum war die Chmielnickische oder kosakische Juden-verfolgung von einschneidender Wirkung. Es wurde dadurch so zusagen polonisirt. Hatte bereits bis dahin die polnisch-rabbinischeLehrweise die Talmudschulen in Deutschland und zum Theil auch inItalien durch die überreiche Literatur polnischer Autoren förmlichbeherrscht, so wurde sie durch die Flüchtlinge die meistens talmud-kundig waren tonangebend und unterjochend. Die Rabbinatssitzewurden meistens polnischen Talmudknndigen übertragen: in MährenEphraim Kohen und Sabbatai Kohen, in Amsterdam MoseRibkes, in Fürth und später in Frankfurt a. M. Samuel AaronKaidanower, in Metz Mose Kohen aus Wilnas. Diese pol-nischen Talmudisten waren wegen ihrer Ueberlegenheit in ihrem Facheeben so stolz, wie ehemals die spanisch-portugiesichen Flüchtlinge undsahen mit Verachtung auf die Rabbineu deutscher, portugiesischer unditalienischer Zunge herab. Weit entfernt, in der Fremde ihre Eigen-art aufzugeben, verlangten sie vielmehr, daß alle Welt sich nach ihnenrichte, und setzten es auch durch. Man spottete über diePolacken",ordnete sich ihnen nichts desto weniger unter. Wer sich gründlichestalmudisches und rabbinisches Wissen aneignen wollte, mußte sich zu

st Jakob Emden, Biographie seines Vaters Chacham Zewi, s. darüberNote 6.

st Die Bibliographien und zum Theil ITiru .nuon: roi? sGsschichte derJuden von Wilna) S. 73 fg.