Gemetzel in Tulczyn.
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Bewohnern der Stadt angegriffen nnd fast sämmtlich unter furchtbarenQualen niedergemetzelt (20. Siwan — 10. Juni 1648). Der Rabbinervon Nemirow, Jechiel Michel B. Elieser^), welcher das Unglückvorausgesehen und die Gemeinde zur Standhaftigkeit im Judenthumermahnt hatte, wurde Anfangs von einem Kosaken verschont, damiter ihm die vergrabenen Schätze angebe. Dann wurde er von einemSchuhmacher in seinem Versteck gefunden und von demselben auf demBegräbnißplatze mit einer Keule erschlagen. Seine greise Mutter,welche dem Mörder ihr Leben statt ihres Sohnes angeboten hatte,wurde ebenfalls getödtet. Die Taufe nahmen nicht Wenige an").Zwei schöne jüdische Mädchen, welche von Kosaken geehelicht werdensollten, brachten sich selbst um. Die Eine sprang, während sie nachder Kirche geführt wurde, von der Brücke ins Wasser, und die Andereberedete ihren Liebhaber, auf sie zu schießen, weil sie gegen Kugelngefeit sei. — Eine andere Horde Haidamaken, unter Krywonoß, griffdie Stadt Tulczyn an, wo 600 Christen und ungefähr 2000 Indenin der Festung Nester ow Zuflucht genommen hatten. Es warendarunter tapfere Juden, oder die Noth hatte sie tapfer gemacht und siewollten nicht ohne Gegenwehr sterben. Edelleute und Juden betheuerteneinander durch einen Eid, Stadt und Festung bis auf den letztenMann zu vertheidigen. Da die kosakischen Bauern von der Belagerungs-kunst nichts verstanden und von den Juden und Polen öfter bei Aus-fällen hart mitgenommen wurden, so wandten sie eine List an. Sieversicherten die Edelleute, daß sie es nur auf die Juden, ihre Tod-feinde, abgesehen hätten; wenn ihnen diese überliefert werden, so würdensie abziehen. Die verblendeten und eidvergessenen Adligen stelltendaher an die Juden den Antrag, ihnen die Waffen abzuliefern. Diesedachten anfangs daran, den Verrath der Polen blutig zu strafen, dasie ihnen an Zahl überlegen waren. Aber der Rabbiner von Tulczynwarnte sie vor Angriffen auf die Polen, weil diese dafür blutigeRache üben und ganz Polen gegen die Juden aufreizen würden,wodurch sie überall aufgerieben werden würden. Er beschwor sie, sichlieber für ihre Brüder im ganzen Lande zu opfern; vielleicht würdendie Kosaken ihre Habe als Lösegeld annehmen. Die Juden fügtensich, lieferten die Waffen ab; die Polen ließen darauf die Baude indie Stadt. Nachdem diese den Juden Alles genommen hotten, stelltensie ihnen die Wahl zwischen Tod und Taufe, Aber kein Einziger
i) Er ist Verf. einer unbedeutenden Schrift mnst 'irir, die sein Neffe 1680drucken ließ, Wolf III. x. 334.
-) Diesen Umstand, daß Einige sich durch die Taufe gerettet haben, hatnur der Verf. des