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Geschichte der Juden.
Sachsen gälte. Als er aber hörte, daß er seine Verehrung an einenJuden verschwendet hatte, schämte er sich vor sich selbst, und wünschtedie Macht zu haben, diesen und alle Juden, wie einst Josua dieGibeouiten, zum Holzspalten und Wassertragen zu erniedrigen *). Dielutherische Geistlichkeit war es besonders, welcher der Wohlstandund die dadurch erlangte religiöse Freiheit der Juden am meisten indie Augen stachen. Die portugiesischen Juden hatten bereits zweioder gar drei Synagogen, die zweite von Abraham Aboab Faleround die dritte von David de Lima erbaut^). Auch eine kleinedeutsche Gemeinde hatte sich nach und nach in Hamburg zusammen-gefunden und eine Betstube eingerichtet. Und das sollten die treuenSöhne Luthers ruhig mit ansehen, obwohl dieser gewissermaßen aufdem Todtenbette seinen Anhängern befohlen hatte, die Juden wie dieZigeuner zu behandeln, ihnen keine Synagogen zu gestatten und ihrenRabbinern die Zungen ausschneiden zu lassen?^). Die HamburgerPastoren durften das nicht zugeben, drängten den Rath und hetztendie Bürgerschaft, ihnen diese sehr geringe religiöse Duldung zu ent-ziehen. Unter ihnen that sich ein Erzeiferer hervor, JohannesMüller,Senior an der Petrikirche, ein protestantischer Großinquisitor undHauptverketzerer, ein schmäh- und skandalsüchtiger Mensch, welcher seineehrbarsten Amtsbrüder von der Kanzel und in Schmähschriften be-geiferte. Es verstand sich bei diesem giftigen Pastor, der sich für eineSäule der lutherischen Rechtgläubigkeit hielt, von selbst, daß es eineGewissenssache für ihn sei, die Juden gründlich zu hassen und zudemüthigen. Er und seine Genossen drangen stets darauf, die Synagogeschließen zu lassen (zwischen 1031 —1644). Der Rath antwortetedarauf, es gehe über seine Befugnisse; die Juden beten darin denwahren Gott an, den Gott der Erzväter, welcher Himmel undErde geschaffen. Sollten sie denn da wie das dumme Vieh ohneReligion leben? Man könne ihnen doch nicht das Beten und Singender Psalmen verbieten! Auch habe man ihnen das Privilegium einmalzugesagt, sie in ihren religiösen Angelegenheiten nicht zu stören, undeine christliche Obrigkeit müsse ein gegebenes Versprechen heilig halten.Endlich — und das war die Hauptsache — wenn man ihnen die Syna-gogen verböte, würden sie wegziehen, was der Stadt zum größtenSchaden gereichen würde, sie würde zu einem Dorfe herabsinkeu Z.
') BeiSchudt, jüdische Merkwürdigkeiten I. S. 375; vergl. über die FamilieTereira Note 2. ") Os Oarrios vicla äs Isbas Lurüsl p. 44.
' °) S. Band IX,. S. 315 fg.
Diese Gründe des Senats für Zulassung der Synagogen, welche Neilserst aus den Jahren 1660 — 69 mittheilt (Zeitschrift II. S. 412), zählt bereits