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10 (1897) Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendelssohn'schen Zeit (1750)
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Geschichte der Juden.

Gründe, welche sich damals für die Aufnahme geltend machen ließen,hatte der Unterhändler Isaak erschöpfend auseinandergesetzt und vonvorn herein erklärt, sich allen Bedingungen unterwerfen zu wollen.Er hatte darauf hingewieseu, daß nicht bloß in papistischen, sondernauch in evangelischen Ländern Inden geduldet wurden, nicht bloß imWesten, in Frankfurt und Worms, sondern auch im nördlichen Deutsch-land, in Hannover, Minden, Hildesheim, Göttingen, Norden, Dortmund,Hamm, Lippe und Emden*). Alles vergebens. Hamburg, das da-mals viel Behagen an Pfäffischem Gezänk über Rechtgläubigkeit undKetzerei hatte, mochte von Inden nichts wissen.

Spaßhaft ist es aber, daß Hamburg damals, als es sich gegendie zeitweise Aufnahme von Juden so sehr sträubte, bereits, ohne eszu ahnen, solche in seiner Mitte beherbergte, mit denen die rechtgläubigenChristen täglich verkehrten, freilich unter der Maske portugiesischerPapisten. Marranische Flüchtlinge, den Scheiterhaufen der Inquisitionentkommen, hatten sich nämlich auch in der norddeutschen Reichs-und Hansestadt niedergelassen und galten als portugiesischeCommer-zanten", welche die Handelsblttthe der Stadt beförderten^). Bei derNachricht, daß ihre Genossen in Amsterdam, mit denen sie in Ver-bindung standen, sich offen zum Judenthum bekannten und geduldetwurden, lüfteten auch sie mehr ihre Maske und wollten als Judenerkannt werden, ließen aber noch immer ihre neugeborenen Kindertaufen. Darob erhob die strenglutherische Bürgerschaft ein lautesGeschrei und richtete an den Senat die Forderung, daß die reichenJuden, welche aus Portugal und anderen Orten vertrieben sind, aus-geschafft und nicht geduldet werden sollten b). Allein der Rath mochtenicht darauf eingehen; eine Art Schamgefühl hinderte ihn, diesePortugiesen von edelmännischer Haltung und intelligentem Wesen wie

*) Der Archivar Lappe nberg fand im Hamburger Archiv eine Supplikvon einem UnterzeichnetenJsach Jude" an den Senat um Zulassung von12 Familien, ohne Datum, abgedruckt in Zeitschrift des Vereins für HamburgischeGeschichte B. I. S. 286. Er vcrmuthete, daß diese Supplik dem Jahre 1580angehört. Später theilte Or. Reils eine zweite Supplik desselben Isaak mit,welche das Datum 1583 trägt (das. B. II. 159 fg.). Er bezeichnete mit Rechtjene als eine spätere. Beide Suppliken hat Kaiserling mitgetheilt in FrankelsMonatsschrift 1859, S. 410.

*) Mit Recht macht Or. Reils das. II. S. 158 auf die Aeußerung vonStephan Gerlach in seinem Tagebuche aufmerksam, daß mindestens schon 1574sich' verkappte Marranen in Hamburg aufhielten.

b) Reils Beiträge zur ältesten Geschichte der Juden in Hamburg, aus denAkten des Staats- und Ministerial-Archivs gesammelt, das. II. S. 362, xsbitumvom 9. Dec. 1603 und vom 4. März 1604.