Die Rabbiner- Bildungs-Anstalten.
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traurige Scenen zur Folge gehabt. Die seit dem vorigen Jahrhundertin die Gemnther eingepflanzte Humanität soll nun wieder daraus ver-bannt werden.
Mit dem Aufschwung und der Verjüngung der Judenheit, als derTrägerin einer eigenartigen uralten Lehre, hielt die Verjüngung oderLäuterung dieser Erblehre nicht gleichen Schritt. Zwar sind die Grund-wahrheiten des Judenthums, ihre segensreichen Wirkungen in der Völker-geschichte, ihre civilisatorische Bedeutung tiefer erkannt worden. Wasauserlesene Geister aus der heiligen Schrift und aus dem wunder-baren Geschichtsgang des jüdischen Volksstammes herausgelesen haben,daß das Judenthum das Apostelamt hat, vermittelst dieser Lehre einLicht für die Völker zu sein, ist gegenwärtig ziemlich geläufig geworden.Aber über die Mittel, durch welche die Grundwahrheiten des Juden-thnms lebendig erhalten werden sollen, um fernerhin zu wirken, undüber das Verhältniß des Religiös-Ritualen, wie es sich geschichtlichkrystallisirt hat, zum Rein-Religiösen und Sittlichen, ob das Juden-thum in seiner Abgeschlossenheit verbleiben soll, über diese schwer-wiegenden Fragen gehen die Ansichten weit auseinander, und diese Un-klarheit hat, wenn auch nicht eine neue Sektenbilduug, so doch eineSonderung und Entzweiung erzeugt. Diese Frage kann nur die jüdischeWissenschaft durch eine noch ernstere Vertiefung in die Urkunden desJudenthnms lösen, um genau zu ermitteln, was die Propheten darüberverkündet, und was die jüdischen Weisen zu verschiedenen Zeiten darübergelehrt haben.
Für die Wissenschaft des Judenthums sind in den letzten Jahr-zehnten mehrere Lehrstätten in Deutschland gegründet worden, an denensie eifriger erforscht wird, als in den ältern Lehranstalten in Frank-reich und Holland. Durch die hochherzige letztwillige Verfügung desedlen Nachkommen einer rabbinischen Familie, Jonas Fränckel, ent-stand durch eine gesicherte Stiftung in Breslau das jüdisch-theologischeSeminar (1854), welches bereits weit über hundert Rabbiner undPrediger ausgesandt hat, um in deutschen, österreichischen und ameri-kanischen Gemeinden zu wirken. Ein Jahrzehnt später wurden inBerlin aus freiwilligen Beiträgen zwei ähnliche Stätten ins Lebengerufen, von denen die Eine sich das „orthodoxe Rabbiner-Seminar"nennt und die Andere als „Lehranstalt für die Wissenschaft des Jnden-thums" bezeichnet wird. In Ungarn hat die Regierung 1877 aufStaatskosten eine Rabbinerschnle für Transleithanien geschaffen, welcheRabbiner, Prediger und Religionslehrer in ungarischer Sprache aus-bilden soll. Diese Lehranstalt, als eine Tochter des Breslauer Semi-nars, ist nach demselben Programm organisirt und wirkt in demselben